Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
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Art des Disputirens. Schutzjudenthum.

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licli Reden und Gegenreden sicli durchkreuzten und verwirrten,so stand er wohl auf von seinem Sitze, trat in die Mitte derStreitenden und schien liebreich um Gehör zu bitten. Dannerfolgte ein ehrerbietiges Stillschweigen. Nun nahm er denFaden des Gesprächs auf, entwickelte die Streitfrage, stellteSatz und Gegensatz mit einer ihm eigenthiimlichen Klarheitund Kürze gegeneinander, und liess die Streitenden die Ver-gleichspunkte selbst finden, ohne des Einen oder des AndernPartliei gradezu zu nehmen. Wenn sich dann die Hitze gelegtund die Vereinigung stattgefunden hatte, pflegte Mendelssohnzu sagen:Sehen Sie, meine Herren! Es war ein blosserWortstreit, wie es gemeiniglich der Fall ist, ich glaubte gleich,Sie würden eines Sinnes werden." Ueberhaupt hatte er dieSokratisclie Art des Disputirens angenommen, das, was er lehrenwollte, aus dem Geist der Schüler lierauszuentwickeln, statt esin sie hineinzutragen.''

Da weder Mendelssohn noch seine Frau geborene Preussenwaren, so konnten sie nach den damals geltenden Bestimmungennur unter dem Schutz eines ansässigen Juden in Berlin leben.Der Marquis d'Argens, der dies_ zufällig gehört hatte und vonFrankreich her derartige Verhältnisse nicht kannte, hielt esfür unmöglich, dass ein Mann wie Mendelssohn täglich in derGefahr sein sollte, durch die Polizei ausgewiesen zu werden.Er sprach mit Mendelssohn darüber, und dieser bestätigte esund sagte:Sokrates bewies ja seinem Freunde Criton, dassder Weise schuldig ist zu sterben, wenn es die Gesetze desStaates fordern. Ich muss also die Gesetze des Staates, indem ich lebe, noch für milde halten, dass sie mich bloss aus-treiben, im Fall mich in Ermangelung eines andern Schutzjudenauch nicht ein Trödeljude für seinen Diener erklären will."Der Marquis verlangte, Mendelssohn solle eine Bittschrift auf-setzen, die er selbst übergeben wolle. Hierzu wollte sichMendelssohn anfangs nicht verstehen.Es thut mir weh,"sagte er,dass ich um das Recht der Existenz erst bitten soll,welches das Recht eines jeden Menschen ist, der als ruhigerBürger lebt. AVenn aber der Staat überwiegende Gründe hat,Leute wie meine Nation nur in gewisser Anzahl aufzunehmen,