Töchterchen geschenkt, das nach der Mntter den Namen Marieerhalten sollte.
Der Monat Juni brachte unserem deutschen Freundes-kreise, wie nicht minder der Universität einen schweren Verlust.Der berühmte Theologe M. L. de Wette starb am 16. d. M.Noch am 6. hatte er mich besucht, um nach dem Befindenmeiner Frau und nach mir zu sehen, da ich etwas unwohl ge-wesen war, klagte aber schon sehr über Gichtschmcrzen. Tagsdarauf ging er noch, obgleich unwohl, in eine Sitzung derRegenz (Senat), kam jedoch ganz erschöpft nach Hause und legtesich zu Bett, um nicht wieder aufzustehen.
De Wette, geb. 1780, habilitirte sich 1805 in Jena,kam 1807, zuerst als außerordentlicher Professor der Philosophienach Heidelberg, wurde dann ordentlicher Professor der Theologiedaselbst und kam 1810 in dieser Eigenschaft nach Berlin. AnsAnlaß eines Trostbriefes, den er 1819 nach der HinrichtungSandys, des Mörders von Kotzebne, an dessen Mntter geschrieben,wurde er seiner Stelle enthoben und fand nun ein Asyl ander Universität Basel, der er bis zu seinem Ende treu blieb.
Ich darf dem Geschick in hohem Grade dankbar sein, dasmir beschied, ein College dieses Mannes zu werden und ihmnäher zu treten. Die Art, wie der fast 70 jährige berühmteGelehrte und Lehrer mir, dem jungen 33 jährigen Docentenentgegenkam, wird nur stets unvergeßlich bleiben. Stets be-lehrend durch Wissen und reiche Erfahrung, ohne je den Ma-gister machen zu wollen, stets mild und wahrhast christlich,ohne je salbungsvoll zu werden, immer geistreich, dabei stetshöchst bescheiden, so steht der seltene Mann vor mir.
Am 24. Juni fand die Taufe unserer kleinen Mariestatt, welcher außer unseren Angehörigen auch die CollegenJung und Windschcid anwohnten. Die ersteren beeilten sichjetzt, nach Freibnrg zurückzukehren, da dort Einquartierung, be-vorstand. Am 7. Juni zogen dort die preußischen Truppenein, und damit begann sofort auch die Fluth der hierher Aus-