^n demselben Hause in Freiburg, in welchem ich gebarenbin, hat auch meine Mutter das Licht der Welt erblickt, hatin demselben, kürzere Abwesenheiten auf Reisen abgerechnet,immer gewohnt und ist darin, 81 Jahre alt, gestorben*),gewiß ein Beispiel von Stabilität, das in unserer heutigen,wanderlustigen Zeit sich nicht so leicht wiederholen wird. MeinGroßvater von Niederer, welcher im Jahre 1773 hiehcr kam, über-nahm das Haus von seinem Schwiegervater Professor Strobel.Dieser war 1735 als Professor in die medicinische Facultäteingetreten und zwar als Professor der Institutionen, um dann,nach damaligem Gebrauch, in die höheren, d. h. besser besol-deten Professuren vorzurücken.
Zugleich war er Director des medicinischcn Studiumsund Physikus der Stadt. Er starb 1769. Ueber seine wissen-schaftliche und Lchrthätigkeit ist mir nichts Näheres bekannt.Eine um so bedeutendere Stelle in der Geschichte der Fa-cultät nimmt dagegen sein Schwiegersohn, mein Großvatervon Niederer ein.
*) Zweimal war sie in diesem Hause in Gefahr gewesen, ans ge-waltsame Weise nm's Leben zn kommen. Das erstemal als 19jährigesMädchen im Jahre 1796: Französische Marodeurs waren in die Stadteingedrungen, und sie stand hinter dem geschlossenen Jalousie-Laden,als eine Kugel durch diesen über ihrem Kopf in den Plafond einschlug.Das zweitemal in ihrem 71. Lebensjahre, den 23. April 1848. S. untenDrittes Buch Jahr 1848.