E r st es Bu ch.
Matthäus Vvu Mederer, Gvvhvnter.
Matthäus Niederer, Edler von Wuthwehr, mein Groß-vater mütterlicher Seite, wurde im Jahre 1773 als Professorder Chirurgie und Geburtshilfe au hiesiger Universität au-gestellt und wirkte in dieser Stellung mit reichem Erfolg biszum Jahre 1796, zu welchem Zeitpunkt er als K. K. Oberst-Fcldarzt nach Wien berufen wurde. Biederer war in Wiengeboren und hatte dort seine Studien gemacht; darauf hatte er16 Jahre im Feld, darunter 11 Jähre als Regiments-Chirurggedient.
Wenn man sieht, welche hohe Stellung heutzutage dieChirurgie unter ihren Schwester-Disciplinen einnimmt, welcheAchtung die tüchtigen Vertreter dieses Fachs allenthalben ge-nießen, so fällt es einem schwer, an die Wirklichkeit der wahr-hast unwürdigen Stellung zu glauben, welche Chirurgie undChirurgen vor etwas über 100 Jahren, zur Zeit, als meinGroßvater hieher berufen wurde, einnahmen.
Chirurgie und Mcdicin waren scharf getrennt, ersterc, dieChirurgie, ausschließlich in den Händen der Barbiere und derBader und eine fast geringere Kluft trennte diese vom Scharf-richter als vom Arzt^). Die Chirurgie war ein Handwerk, die
I In einem Bericht der medicinischen Facnltät vom Jahr 1766,in welchem verschiedene Verbesserungen beantragt wurden heißt es am