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Das ging aber so zn. Der Direktor der anatomischenAnstalt in Heidelberg, der berühmte Tiedemann, nnd seinProsector 1)r. L. Kobelt standen schon längere Zeit nicht mehrauf dem besten Fuße, nnd dieses Verhältnis; hatte sich dadurchnoch verschlimmert, daß der Schwiegersohn Tiedemann's,Bischoff, ans der Anatomie ebenfalls eine Stellung hatte, Vor-lesungen über Anatomie hielt und an der Leitung der Secir-Übungen theilnahm, was Kobelt als ausschließlich in die Domänedes Prosectors gehörend betrachtete. Da wurde im Winter1839—40 in der Leiche eines 73jährigen blödsinnigen, anhydrvpischcn Erscheinungen gestorbenen Mannes in den animalenwillkürlichen Muskeln ein kleiner Eingeweidewurm, die '1'rietiinnsgiralis, gesunden, der in England zwar schon 1833 von Hiltonbeobachtet, in Deutschland aber bisher nicht gesehen worden war.
Als Bischofs diesen Fall in den Heidelberger medicin. An-nalen beschrieb, erhob Kobelt einen großen Lärm nnd beschul-digte Bischoff des Plagiats, denn er habe das Würmchen zuerstgesehen. Bischofs blieb natürlich die Antwort nicht schuldignnd der Streit spitzte sich schließlich so zn, daß Tiedemannvom Ministerium die Entfernung seines ProsectorS verlangte,welchem Verlangen denn auch in der Weise entsprochen wurde,daß ein Tausch der Stellungen der Proscctoren an den beidenLandesuniversitäten stattzufinden habe.
In Folge hievon erhielt ich im März 1841 ein kurzesRescript des Ministers des Inhalts, daß ich zum Prosector inHeidelberg ernannt sei und diese Stelle mit Beginn des Sommer-semesters anzutreten habe.
Mir war diese Veränderung keineswegs willkommen nndzwar ans mehreren Gründen- einmal konnte ich als Prosectorbei Arnold viel lernen nnd stand mit ihm in freundlichemVerkehr, während mir das Verhältnis; mit Tiedemann, der einwahrer Tyrann sein sollte, in den schwärzesten Farben (freilich
*) 1840. VI. 2. — Kobelt in Frorieps Notizen. 1340. XIII. 21.