— 60 —
bimste. Die Stelle eines Prosectors war damals, wie seit einerReihe von Jahren an unserer Universität nicht besetzt und erstim Juli 1840 wurde durch Ministerialerlaß eine solche neucreirt und durch den gleichen Erlaß dieselbe mir übertragen.Bis dahin hatten, wenn der Professor der Anatomie einerHülse bedurste, ältere Mcdicincr, meist Stipendiaten, denendurch ihr Stipendium eine solche Verpflichtung auserlegt war,dieselbe geleistet. Es wurde aber eine solche fast nie bean-sprucht. Während meiner Studienzeit hat der Professor derAnatomie (Prof. Buchegger) die ganze Anatomie im Winter-semester gelesen und unverdrossen, den ganzen Winter hindurch,alles selbst und allein präparirt, im Sommer dagegen nur einRepetitorium mit trockenen Präparaten gehalten. NachdemBuchegger im Jahre 1839 gestorben und im Winter 1839 — 40Sigm. Leuckart kurze Zeit dessen Stelle versehen hatte, wurdezu Ostern 1840 I. Arnold von Zürich hierher berufen, so daßich also das Glück hatte, sofort bei diesem ausgezeichneten Ana-tomen in die Schule zu kommen.
Kurze Zeit hindurch war es mir — allerdings bei äußerstangestrengter Thätigkeit — möglich, den Anforderungen beiderStellungen gerecht zu werden, die Unverträglichkeit derselben trataber doch mit jedem Tag deutlicher hervor. Dazu kam, daß
— nach der Regel i on roviont tonjonrs a ses Premiers amonrs
— die Neigung zu ruhiger wissenschaftlicher Thätigkeit sichimmer mehr geltend machte, die steten Störungen durch denpraktischen Beruf in steigendem Maaße unangenehm empfundenwurden und dieser selbst bei genauerer Bekanntschaft mit derPrivatpraris immer weniger begchrenswerth erschien. Meinegute Mutter, die beobachtet hatte, daß bei bedenklichen Krank-heitsfällen ich stets meine Nachtruhe opferte, fürchtete für meineGesundheit und war sehr erfreut, als sie durch eine gewichtigeStimme Unterstützung fand. Oken, ein Schüler und Freundmeines Vaters, der auch nach dessen 1829 erfolgtem Tode inden Ferien bisweilen ans Besuch in mein elterliches Haus kam