Fach ganz im Geiste seines Lehrers Johannes Müller als eineAnatomie (nnd Physiologie) des kranken Organismus Vor.
Während mir dieses Fach srüher als eine Raritätenkam-mer erschienen war ohne inneren Zusammenhang der einzelnen„Nummern", hatte ich jetzt eine Wisscnschast kennen gelernt, diemein ganzes Interesse in Anspruch nahm.
0. Staatsexamen. Promotion. Reisen: Paris, England,
Holland.
Im April 1837 inachte ich mein Staatsexamen in Karls-ruhe nnd promovirte hier in Freiburg am 20. Juni desselbenJahres, zugleich mit meinem Jugcndsrennde Julius v. Notteck.Nach damaliger löblicher Sitte hatte der Kandidat bei demöffentlichen Akte der Promotion einen Vortrag zu halten, fürwelchen ich die „Bildungshemmnngen" wählte. Der Druckeiner Dissertation war damals nicht gefordert. Ein fröhlicherDoctorschmaus beschloß den festlichen Tag,
lind nun folgt eine Strecke meiner Lebensbahn, aus derich, könnte man „die Sachen zweimal verrichten", ein zweitesMal einen anderen Weg einschlagen würde. Anstatt von jetztan meinen eigenen Weg zu gehen, den zu beschreiten nöthigwar, wenn ich mich der akademischen Lausbahn und der Ana-tomie widmen wollte, folgte ich der großen Heerstraße Derjeni-gen, welche Praktische Aerzte werden wollen und, anstatt in Berlinbei Johannes Müller nochmals in die Schule zu gehen, gingich mit zahlreichen Commilitonen, einem damals allgemein gül-tigen Usus zufolge, nach Paris, um die Spitäler zu besuchen,und dann zu gleichem Zweck nach London, Dublin und Edin-burgh. Allerdings wurde ich auch auf diesem Wege meinergewählten Lebensausgabe nicht ungetreu. In Paris besuchteich die Secirsäle und arbeitete daselbst; die Oberflächlichkeitder Arbeit der Studirenden, die Rohhcit und Unrcinlichkeitbei allen Handtierungen waren aber eher geeignet, Ekel undWiderwillen einzuflößen, nnd entleideten mir bald den Ans-