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Hundert Jahre einer Freiburger Professoren-Familie : biographische Aufzeichnungen
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den klemm Kreis derjenigen, die er eines besonderen Vertrauenswürdigte, ausnahm.

Die Vorlesung von Nägele war zugleich die erste, die mirzum Bewußtsein brachte, daß auch die Form, der Vortragetwas sei, was in's Gewicht falle. Bisher hatte ich mich bloßum den Inhalt des Gegebenen bekümmert, die — bisweilenallerdings sehr formlose — Art, wie dieses mitgethcilt wurde,sehr wenig beachtet. Bei Nägele war jede Vorlesung etwas insich Abgerundetes, in welchem eines aus dem anderen sich logischentwickelte und in welchem aus den richtigen Ausdruck die größteSorgsalt verwendet wurde. Man folgte daher stets dem Vor-trag von Anfang bis zu Ende mit dem größten Interesse undein sorgfältig ausgearbeitetes Heft, das ich jetzt noch besitze, be-zeugt mir meine Aufmerksamkeit. Die minutiöse Sorgfalt,welche er der Ausdrucksweise widmete, lernte ich auch noch inanderer Weise kennen. Nägele war zur Zeit mit einer neuenAuslage seines Hcbammenbuches beschäftigt und das gab ihmnun sehr viel zu überlegen. Sehr oft nahm er da nach derVorlesung einige Zuhörer, die er eines besonderen Vertrauenswürdigte, indem er sie geheimnißvoll flüsternd am Aermelfaßte, mit sich in sein Zimmer und da las er dann einenoder den andern Satz, den er eben verfaßt, vor und wollteunser Urthcil wissen. Wisse Se, sagte er dann — wenn ervertraulich wurde, verfiel er in seinen Düsseldorfer DialcctdaS muß so scharf gefaßt sein, wie in einem Strafgesetzbuch,wo es einem an den Hals geht, und es geht auch oft eineman den Hals, denn eine Hebamme kann entsetzlich viel Unheilanrichten; man muß ihnen daher auf's Dütelchen genau sagen,was sie zu thun haben und was sie nicht thun dürfen.

Eine andere Vorlesung, die ich zwar schon in Freiburggehört hatte, hier aber zum zweiten Male besuchte, gewährtemir ebenfalls große Befriedigung und großen Nutzen, es wardie Vorlesung über pathologische Anatomie von Bischoff. Dieserhatte sich kurz vorher in Heidelberg habilitirt und trug dieses