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Wenn ich wollte, was ich sollte,
Dürft' ich Alles, was ich wollte,und ich erinnere mich insbesondere, daß die im letzten Versgewährte bedingte Freiheit mir viel zn denken machte.
Daß dieser Spruch in der That eine tiefe ethische Be-deutung hat, kann Niemanden entgehn. Wer nur Dasjenige„will" d. h. zu thun strebt, was nach dem moralischen Gesetzin unserm Innern zu thun geboten oder erlaubt ist, der übtin der That die wahre Lebensmoral.
Dies kam mir freilich erst später zum Verständniß, ins-besondere nachdem ich mehrere derartige Sprüche kennen gelerntund wahrgenommen hatte, daß dieselben trotz ungefähr ähn-lichen Klanges und Inhalts sich doch nicht Wohl an die Stelledes Spruchs meiner Mutter setzen lassen könnten.
Der eine derselben, der von Imoimräo äa Vinci herrührensoll, lautet:
Wer nicht kann, was er will, woll' was er könne,
Denn Thorheit ist es, was man nicht kann zu wollen.
Achnliches spricht der folgende Spruch von Fr. Rückert
aus:
Dies ist das Zauberwort, womit du alles stillst,
Wolle was du kannst, so kannst du was du willst.
Daß diese beiden Sprüche aus moralischem Gebiete keineAnwendung finden können, leuchtete mir wohl bald ein, daes sich hier nicht um „Können" sondern um „Sollen"handelt. —
Daß dieselben in der That auch ein ganz anderes Gebietim Auge haben, nemlich das des geistigen Schaffens insbesonderein der Kunst, worauf schon ihre Urheber, ein Maler und einDichter, hinweisen, dazu bedurfte es freilich reiferen Nach-denkens. Aber auch aus diesem Gebiet dürften die Sprüchewohl nicht ohne Einschränkung gelten. Gewiß ist, daß einKünstler nur dann Großes leisten kann, wenn er seinem eigenenWesen treu bleibt, wenn er nur Solches zu schaffen unter-