Druckschrift 
[Hauptband] (1884)
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Scheffel Korn kostete zwischen 8 und 10 Thlr. — Alles kaufenmüssen; der erlittene Schaden läßt sich auf 16,000 Thlr. be-rechnen. Gott erbarme sich unserI"

Erst im Januar 1762 konnte die Familie wieder nach Kohl-höhe ziehen. Das Jahr verfloß noch unter manchem Kummer,insbesondere wegen der häufigen Executionen, mit denen Steuer-Vorschüsse und andere Kriegsleistungen beigetricbcn wurden;Carl Ludewig berechnete am Jahresschluß 1762 das, was er alleinan die Kaiserlichen und Russen in diesem und dem vergangenenJahre hatte abgeben müssen auf 3522 Thlr.

1763 aber trat mit dem feierlich unter Pauken- und Trom-petenschall auf den Gütern im März und April begangenenFriedensfeste eine glückliche Wendung der Verhältnisse ein; schonseit Anfang des Jahres hatten erhaltene Bonificationsbeträge ausder Kgl. Kasse gestattet, auf das Retablissement des Viehstandesund die Bcwirthschaftung der Güter erheblichere Mittel zu ver-wenden, die außerdem auch eine günstige Ernte brachte. InWürgsdorf wurde aber immer noch zugesetzt; Carl Ludewigbegann das Jahr 1764 mit der Bitte zu Gott, „daß Er seinerbesonders in Würgsdorf gedenken möge, und ihn dort, nach denvielen Strafen, die er ihm auferlegt, doch wieder segnen möge."Indeß hatte derselbe doch eine Abneigung gegen den Besitz desGutes gewonnen und verkaufte es im März 1764 für 64,000Thaler an seinen Vetter, den Besitzer von Leschwitz Dieprand Prae-torius v. Richthofen, auf welchen wir bei dpr Michelsdorfer Linienäher zurückkommen; „ungeachtet der gegen den Ankaufspreis um2000 Thlr. höheren Verkaufssumme", — so bemerkt unser CarlLudewig in seinen Aufzeichnungen — „hatte ich annoch 10,000 Thlr.bei dem Gute zugesetzt." Später, im November, nachdem alleBerechnungen mit Würgsdorf abgeschlossen werden konnten, schlägter seinen dortigen Verlust in dem 3jährigen Besitz sogar genauauf 12,759 Thlr. an und fügt wörtlich hinzu- „welches ichhiermit ausgeschrieben, daß Jedermann mein Unglück sehen kann."

Mit diesem Unglück hatte es aber nun ein Ende; denn vonjetzt ab beginnt jene Periode, welche jenen vorgedachten Ausspruchder handschriftlichen, mehrfach erwähnten Aufzeichnungen unsererFamilie als durchaus richtig herausstellt.