Druckschrift 
[Hauptband] (1884)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Bei unserer Besichtigung der Kirche zu Bernau im Mai1880 haben wir von den Werwyckschen Leichentafeln noch die-jenige, auf welcher der Bürgermeister Werwpck mit seiner Familiedargestellt ist, vorgefunden. Die anderen sind, wie sich ander-weitig nachweisen läßt, bei der Entfernung fast aller an diekatholische Zeit erinnernden Kirchenzierden zerstört worden.

Desto erfreulicher ist die fast wunderbare, beinahe völligeErhaltung der uns wegen des näheren Znsammenhanges mitunserer Familie und weil sie über den Ursprung ihres demnäch-stigen Wappens den ersten geschichtlichen und anschaulichen Auf-schluß giebt, noch mehr interessirendcn Schultheißschen Familien-tafcl mit dem entsprechenden Bilde, welche Erhaltung wohl demAnsehen ihres Stifters und seinem späterhin noch näher darzu-stellenden Einfluß desselben auf die Einführung der Reformationinsbesondere auch in Bernau zu danken ist. Denn anders istes kaum zu erklären, daß in allen Wechsclfällen der Zeit, zu-mal bei der Okkupation Bernaus durch die Franzosen in denUnglückstagen unseres Vaterlandes, während welcher das Feuerin der zu einem Vorrathsspcicher und gleichzeitig zu einer Küchebenutzten Kirche die daneben hängenden Gegenstände beschädigthatte, gerade dieses Monument erhalten worden ist, auf welchesdie Kirche daher heut noch einen um so größeren Werth legt, alsaus gewissen, von uns jedoch nicht festgestellten Ueberlieferungenangenommmen wird, das Bild, oder wenigstens die Familien-tafcl rühre von L. Cranach, einem Freunde des Paulus Praeto-rius, her. Dieß wird nämlich auf eine Angabe in einer hand-schriftlichen Aufzeichnung eines in Bernau verstorbenen LehrersErdmann zurückgeführt und dabei hingedeutet, daß dieser letztere,da er aus Magdeburg gebürtig, darüber habe orientirt seinkönnen.

Was uns aus diesem ersten historischen Monument unsererFamilie ganz besonders anspricht, das ist der pietätvolle Geist,in welchem die Widmung erfolgt ist, und wenn heute der so ge-sinnte Begründer unserer Familie herabzublicken vermöchte ausjenen lichten Höhen auf das zahlreiche und ausgebreitete Ge-schlecht, welches seinem Adoptivsohne entsprossen, so dürfen wirglauben, daß ihm einige Genugthuung darüber nicht fehlen