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Mittheilungen über die Familie Mithoff bürgerlicher und geadelter Linie : als Ms gedr. Familienbuch
Entstehung
Seite
211
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und mahnte uns beim Scheiden an das erhabeneSchauspiel, welches wir dort oben jüngst genossenhatten. Endlich verschwand auch dieses Bild imSchooße des Meeres.

DaS Läuten der Schiffsglocke verkündigte uns,daß die Essenszeit herangerückt sei, und wir verfügtenuns in den Spciseraum. ES befanden sich viele Deutschean Bord, welche der Gucrrasschen Knnstreitergescllschastangehörten, außerdem trafen wir mehrere Italienerund zwei von einer Reise nach dem Oriente zurück-kehrende Holländer. Um zehn Uhr zogen wir unsin unsere Cajüte zurück, und ich schlief diesmal unge-stört bis zum hellen Morgen.

Während der Nacht war — wie wir am Morgenerfuhren — unsere Reisegesellschaft um ein Mitgliedverstärkt worden, indem ein kleiner Kunstreiter mittenaus dem Meere die Welt zum ersten Male begrüßthatte. Der erfreute Vater bat einen der beidenHolländer zu Gevatter, welcher dies zuvorkommendeAnerbieten sich wohl nicht hatte träumen lassen.

Als wir uns in der erfrischenden Morgenluftauf Deck begaben, lag bereits Capri, Jschia und dieKüste vor uns. In den Formen der Insel Capri,die mir bei der ersten Vorbeifahrt so fremdartig er-schienen waren, fand ich jetzt große Verwandtschaft mitder Gestaltung der Vorgebirge bei Palermo und Ccsalü.Nasch fuhren wir vorüber, und bald nahm unS derweitgeössnetc Golf von Neapel aus. Die Schönheit derKüste, die wie ein weißes Band sie einfassende Häuser-masse, der rauchende Vesuv und die munter dahinsegelnden Schisse, alles dies lockte unsere Reisegesell-schaft auf daS Vorderdeck, wo sich sehr lebhafte Gesprächeentspannen und bald allgemeine Heiterkeit herrschte.

Um zwölf Uhr Mittags erreichten wir das Zielunserer Reise. Eine Barke führte uns sogleich andas Ufer, und binnen kurzer Frist waren wir wiederim Besitz unserer früheren Wohnung.

Abermals schaue ich nun auf den herrlichen Golfhinab, der Vesuv liegt mir wieder gegenüber undCapri erhebt sich am Horizonte aus der Spiegelflächedes Meeres, doch unwillkürlich schweift jetzt der Ge-danke über diese sichtbare Grenze binaus, über daSweite Meer nach Sicilien. In dem frischesten Farben-glanze schweben die schönen Bilder der jüngst ver-flossenen Zeit vor meiner Seele, als sollten sie nieerlöschen. Aber sprudelt der Quell der Erinnerungauch noch so lebhaft, und ist sein Spiegel noch soklar, allmählich schwindet seine Kraft, jeder Hauch derZeit trübt seinen Glanz, und immer matter, immerseltener tauchen die Bilder der Vergangenheit aus ihmhervor. So wird es auch bei unS sein, doch hoffeich, daß die Züge, welche wir unserer Gedächtnißtaseleingegrabcn haben, nicht so bald verlöschen und wirnoch oft mit heiterem Sinne der schönen Zeit ge-denken werden, die wir in Sicilien verlebt haben.

In einigen Wochen werdet Ihr im Besitz meinersämmtlichen Briefe über Sicilien sein; ich habe darindie Erlebnisse aus unserer Reise um diese Insel mög-lichst treu zu schildern gesucht, und hoffen Ernestound ich, daß Ihr in Eurem nächsten Briefe, welchemwir nach so langer Entbehrung jeglicher Nachrichtvon Euch mit großer Sehnsucht entgegensehen, unserglücklich ausgeführtes Unternehmen völlig billigenwerdet.

Einige Wochen denken wir hier und in der köst-lichen Umgegend von Neapel zu verweilen und dannnach Rom zurückzukehren. Dorthin bitte ich die füruns bestimmten Briefe zu senden, und auf der Adresse„LaUä Aroeo" — dies ist das Kaffeehaus und derVersammlungsort der Deutschen — zu bemerken,dann werden wir solche richtig erhalten.

Ernesto sendet Euch mit mir die herzlichstenGrüße, und somit schließe ich hier die brieflichen Mit-theilungen über unsere sicilianischc Reise.

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