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Mittheilungen über die Familie Mithoff bürgerlicher und geadelter Linie : als Ms gedr. Familienbuch
Entstehung
Seite
210
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Unsere Zeit ist hier so schnell dahin geschwunden,daß wir unsere Empfehlungsschreiben nur zum Theilhaben abgeben können. Gestern wollten wir demDuca di Serra die Falco, an welchen wir von RomanS empfohlen waren, unsere Aufwartung mache»,erfuhren jedoch zu unserm Leidwesen, daß derselbe kranksei, und uns nicht annehmen könne. Dieser Herr istein großer Verebrcr der Künste, und beschäftigt sichlebhast mit den Kunstdenkmalen SicilienS, über welcheer bereits mehrere Schriften veröffentlicht hat.

Einen andern Kunstfreund, den Signor AbatcNicvlö Maggiore, lernten wir dagegen kennen. Ermachte uns aus mehrere Alterthümer des hiesigenMuseums aufmerksam, die wir sofort in Augenscheinnahmen. Anfangs führte man uns in eine Gallertevon Gipsabgüssen der schönsten Antiken, welche wiraber wenig beachteten, da uns die meisten Originalederselben bekannt waren. Dann sahen wir die Ge-mäldesammlung, wo wir unter mehreren guten Ge-mälden auch einen Albrecht Dürer („Zlllloi-to vuro")freudig begrüßten. Der beste Maler Sicilicns istPietro Novclli aus Monrealc, gewöhnlich il Mon-rcalese genannt. Sehr anziehend sind mehrere vomKönige hierher geschenkte Sachen ans Pompeji, na-mentlich ein Herkules, welcher einen Hirsch bändigt,eine kleine, aber vortreffliche Bronzearbeit. Die bc-mcrkenswcrthesten Alterthümer der hiesigen Kunst-sammlung hätten wir nicht zu sehen bekommen, wennwir nicht von deren Vorhandensein unterrichtet ge-wesen wären, nämlich die in Sicilicn aufgefundenenAlterthümer. Sie werdeil in zwei Zimmern amHose aufbewahrt. Hier fanden wir sehr zierliche, ausAgrigent stammende Gesimsglieder, deren gefällige,nur wenig in den Marmor eingegrabene Ornamentebei ihrer Auffindung farbig bemalt gewesen sein sollen,was lim so glaublicher ist, weil diese Ornamente ohneBemalung aus einiger Entfernung gar nicht zu er-kennen gewesen wären. Aus Sclinunt sind großeMctopen') mit Reliefs vorhanden, deren Figuren fasteinen cghptischen Stil zeigen und sehr alt sein müssen.Mehrere Statuen aus Solanto uud Tintaro tragenzwar nicht das Gepräge einer hohen Vollendung, sindjedoch nicht zu übersehen. Der Inspektor der Kunst-sammlung versicherte, daß man an den letztgenanntenOrten mit geringer Mühe Schätze des Alterthumswürde ausgraben können, wenn es nur an den dazuerforderlichen Mitteln nicht fehlte.

Heute Morgen sind wir unserm Versprechen ge-mäß noch einmal nach Monrealc hinausgcwandert.UnterwegcS warfen wir einen Blick in ein großesHospital für gebrechliche alte Männer, welches mitvielem Anfwande erbaut ist. In Herstellung derartigerGebäude geschieht hier, wie im übrigen Italien, mehr,als man vielleicht erwartet. Mit wahrem Vergnügenlegten wir den Weg nach Monrealc zurück und er-götzten uns bei dem heitern Wetter an den malerischenAussichten mit den vielen Orangengärten im Vorder-grunde. Von unserer Ankunft in Monrealc wurdeGiovanni sogleich benachrichtigtz wir verfügten uns

>) Quadratische Vertiefungen, die im regelmäßigen Wechselmit Triglyphen (Dreischlitzen) an den Friesen dorischer Haupt-gcsimsc vorkommen.

aber dann in den Dom nnd in den Kreuzgang, umdort zu zeichnen und von diesem aus uns nochmalsair dem prächtigen Architckturbilde zu erfreuen.

Mittags bewirthete unS Giovanni in seinemHause. Er hatte seine ganze Kochkunst aufgeboten,und für alles so gut gesorgt, daß wir uns gedrun-gen fühlten, ihm die größten Lobsprüche zu ertheilen.Ernesto hatte früher den Wunsch geäußert, Giovannimöge ihm zum Andenken eine Probe seiner Gcschick-lichkcit im Modclliren geben, nnd Giovanni schenkteihm nun eine eigenhändig aus Thon geformte Ma-donna mit dem Kinde, eine wirklich anerkennenswertheArbeit. Schließlich ertheilten wir unserm Giovanniein schriftliches Zeugniß über sein braves und vor-sichtiges Benehmen als Führer ans unserer sicilianischcnReise, und schieden dann von diesem biederen Manneunter Bezeugung unserer größten Dankbarkeit undmit den besteil Wünschen für seine Zukunft.

Vor kurzer Zeit sind wir hierher zurückgekehrt,und müssen nun unsere Anstalten zur Abreise treffen.Der Abend ist schön und ich hoffe, daß wir morgeneine glückliche Ucbersahrt haben werden. Von Neapelein Mehreres.

Neapel, den 11. Nov. 1838.

Gleich nachdem wir hier unsere herrlich gelegene,Euch schon bekannte Wohnung wieder bezogen haben,setze ich mich nieder, um Euch unsere glückliche Rück-kehr von Sicilien zu melden, damit Eure Besorgnisseum uns verschwinden, und ich mit diesen Zeilen auchdie dort zuletzt geschriebenen Briefe übersenden kann.

Noch ist es mir, als fühlte ich die SchwankungendeS Schiffs, und dieses Gefühl wird mich heute kaumverlassen. Doch befinde ich mich nach der Seereiseganz wohl. Ernesto ist zwar auch munter, hat indeßdie Einwirkungen der Schwankungen während beinahevier und zwanzig Stunden noch nicht ^völlig über-wunden.

Gestern Morgen nahmen wir Abschied von Sici-licns Hauptstadt und unserm dort gebliebenen FreundeBothen, und bestiegen das vorhin genannte Dampfschiff,welches um neun Uhr in See stechen sollte. Auffallendwar uns, daß die Zurüstungen zur Abreise sehr lang-sam betrieben wurden, und als wir uns nach derUrsache erkundigten, hieß es, der König wolle eineDepesche nach Neapel mitschicken, welche noch nicht an-gelangt sei. Wir lagen zwar im herrlichen Golfe vonPalermo, da unsere Abreise aber einmal festgesetzt unddas Wetter zn einer Seefahrt günstig war, so mußtenwir doch wünschen, unsere Abfahrt nicht verzögert znsehen. Unter stets wachsender Ungeduld warteten wirvon Stunde zu Stunde, bis endlich um ein UhrMittags die Schiffsglocke daS Zeichen zur Abreise gab.

Pfeilschnell ging es nun von bannen, hart amMonte Pcllegrino vorüber, und ehe wir es uns ver-sahen, war Palermo unsern Blicken entschwunden.So lange wir aber die phantastischen Formen Sicilicnserkennen konnten, blieben wir auf Deck und gingenin Gedanken unsere Reise um diese merkwürdige Inselnoch einmal durch. Der Aetna entzog sich diesmalunsern Blicken nicht, und als schon alle übrigenGebirge verschwunden waren, leuchtete noch sein be-schncicter Gipfel im röthlichen Lichte der Abendsonne,