Druckschrift 
Geschichte des schloßgesessenen adligen Geschlechtes von Bismarck, bis zur Erwerbung von Crevese und Schönhausen : Denkmal der Dankbarkeit des Vereines für Geschichte der Mark Brandenburg
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

180

ihre Berechtigungen zur Jagd und zur Waldnutzuug in der Gardelegeuscheu Haide, sowie auch in dem Tauger, in gütlicher Weise ganz zubeseitigen oder doch zu beschränken.

Die von Bismarck, welche auf den Besitz umfaugsreicher Jagd-reviere selbst großen Werth legten, fanden anfangs keine Veranlassung,ihre althergebrachten Rechte den Wünschen des Prinzen zu opfern. In-dessen wurde wegen der Steinberge sofort mit landesherrlichen Straffest-setzungen gegen sie vorgegangen, und die angeknüpften Unterhandlungenwegen Abtretung des JagdrcchtS in den übrigen Revieren unterstützte derKurprinz so lebhaft durch sein persönliches Ansehen, daß die von Bis-marck doch schließlich sich fügen zu müssen glaubten, um dadurch diegegen sie „gefaßte Ungnade" des Kurprinzen wieder zu beseitigen.

Sie begaben sich daher im Juni 1555 zu dem Kurprinzen nachZechlin und ließen sich hier am I.Juli einen Vertrag gefallen'), worinsie ans alle Jagd in der Haide bis dicht an Burgstall heran verzich-teten und nur in einem kleinen Theile des Burgstaller Forstes die Reh-jagd, sowie in dem Tanger ein auf Rehe und Schweine beschränktesJagdrecht behielten. Hütnngen und Holznutznngen sollten ihnen ver-bleiben, die Hunde der Hirten jedoch Knüttel tragen, deren Länge undStärke zu bestimmen, der Markgraf sich selbst vorbehielt. Ebenso behieltdieser sich auch vor, ihnen persönlich einen der Wildbahn unschädlichenPlatz anzuweisen, auf dem sie die Schäferei erbauen mögten, die sie ausBnrgstall zu verlegen beabsichtigten.

Nachdem die von Bismarck alle diese Beschränkungen sich hattengefallen lassen müssen, stellten sie auch die Bestimmung des Preises fürdiese Zugeständnisse, die ihnen durch Geld überhaupt nicht vergütet werdenkonnten, dem Kurprinzen lediglich anheim. Dieser bewilligte ihnen eineSchuldverschreibung über 3000 Gulden.

Der erreichte Erfolg befriedigte jedoch den Kurprinzen nur füreinige Zeit. Letzlingen wurde ihm mehr und mehr ein Lieblingssitz,gegen den er Zechlin, wo er sonst gewöhnlich seine Residenz hielt, ver-nachlässigte. Um aber die Jagd von Letzlingen ans bis zum Schlossein Tangermündc völlig frei zu stellen, mußten die von Bismarck mit den

I Vertrag vom I.Juli 1555, im Anhange hier abgedruckt.