I. Anseilende Erörlernngen.
1. Namen und Herkunft der Städtebewohner, besondersfür Stendal und Prenzlan.
einer Zeit, da forterbende Familiennamen noch nicht allgemeinin Gebrauch waren, — um die Mitte des zwölften Jahrhunderts, —wurde in der Altmark von dem Markgrafen Albrecht dem Bären dieStadt Stendal gestiftet'). Der Vortheile, welche der von dem Gründer,sowie von dessen Nachfolgern, durch Zollfreihcit, Zünfte und dergleichenEinrichtungen begünstigte neue Handelsplatz deck bürgerlichen Gewerbs-betriebe darbot, sich theilhaft zu machen, kamen manche Ansiedler ansgroßer Ferne herbei. Besonders aber führten die Städte, Flecken undDörfer der nächsten Umgegend der Bürgerschaft der neuen Stadt einenzahlreichen Beitrag zu.
Die dadurch hier versammelten vielen Heinriche, Dieteriche, Frie-deriche, Hanse und sonst allein erst durch dergleichen Taufnamen be-zeichneten neuen Bürger von einander zu unterscheiden, wurden Beinamennothwendig, welche bald so allgemein üblich wurden, daß keiner mehrohne einen solchen genannt ward. Diese Beinamen entlehnte man theilspersönlichen Eigenschaften der damit benannten Personen, wie die Bei-namen der Knabe, der Weise, der Kleine, der Lange, der Hartkopf,die Nachtigall; theils ihrer Nationalität, wie der Wende, der Friese,der Franke; oder ihrem Gewerbsbetriebe, indem man sie Schuster,Müller, Kürschner, Gärtner, Riemschneider, Plattenschläger und nach
') Ricdel's lloäex äiplomatians HrnnäLndarALnsIs Hanptth. I, B. XV, S, 6.Lenz, Grafensaal S. 213. Bnchholtz, Geschichte der Chnrm. Brandenburg Th. I,S. 416.