175
gungen bedacht, so brachten sie doch Monate, ja Jahre lang,mit Dienern, Pferden und Hunden auf dem Idause Hülshoff zuund lebten auf Kosten ihres Bruders Bernhard. Einige gingenso weit, dass sie ihre Haushaltungen jeden Augenblick von Hüls-hoff aus verproviantiren Hessen; andere hoben dieselben, wennsie verreiseten, gänzlich auf und sandten ihre Dienerschaft, biszu ihrer Rückkehr, nach Hülshoff. Bernard wollte ihnen desshalbihre Abfindungen nicht ausbezahlen, ohne jene Lieferungen inAnrechnung zu bringen. Die nächste Folge hiervon war, dassdie Geschwister die im Jahre 1669 getroffene Uebereinlcunft, worinsie sich verpflichteten, dem letzten Willen ihrer Eltern in AllemFolge zu leisten, angriffen und umstiessen, wodurch dann eineMenge von Processen und ein unauslöschlicher Ilass hervorgerufenwurde. Den völligen Ausschlag gab folgender Vorfall:
Am 10. November 1676 sass Bernhard mit seinem VetterBernd v. Kukelsheim, seinem Bruder Heinrich und andern Ge-schwistern des Abends in der Küche beim Feuer, wo sich dasGespräch zufällig auf den gewöhnlichen Zankapfel, das Testamentder Eltern, lenkte. Heinrich, ein Brausekopf, erklärte, dass ermit dem Testamente nicht zufrieden sein könne und er würdedesshalb mit Dienern und Pferden so lange auf Hülshoff verwei-len , bis ihm eine bessere Abfindung zu Theil geworden. — Bern-hard erwiderte, dass er unter solcher Voraussetzung sich gezwun-gen sehe, seine Pferde am nächsten Morgen vor das Thor führenzu lassen. Diese Aeusserung brachte Heinrich so in Wuth, dasser in seine Kammer lief, zwei Pistolen ergriff und die eine der-selben auf seinen Bruder abdrückte. Dieselbe gab zwar einigeFunken, entladete sich aber glücklicher Weise nicht. Als nunder zufällig anwesende Schliesser (Schlüter) des Hauses Hülshoffihm die andere Pistole aus der Hand wand, zog der jüngereBruder Heidenreich seinen Degen, um den Schlüter damit zudurchbohren. Heinrich eilte darauf in seine Kammer zurück,um eine andere Pistole zu holen, worauf Bernhard die Fluchtergriff, indem der Schlüter- durch Zuhalten der Thüre ihm dazuZeit verschaffte. Als dieselbe endlich von den Brüdern Heinrich,Heidenreich und der Schwester Agnes, nachherigen Frau v. Eickel,gesprengt war, rissen diese drei den Schlüter bei den Haarenzu Boden und misshandelten diesen getreuen Diener auf einebarbarische Weise. — Darauf blieben die beiden Brüder nochmehrere Tage in Hülshoff, erbrachen am 14. d. M. den Korn-boden und ritten dann nach Telgte, wo sich Heinrich bereitsetablirt hatte. Bernhard liess ihnen durch den Tastor in Roxel