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durchlebt, und darum hier mehr Stoff, als bei jeder anderen Lebens-skizze dieser Familiengeschichte habe. Namentlich besitze ich unsereüberaus reiche, fast ganz vollständige Correspvndenz, von unsererJugendzeit an bis zu seinem Tode, die — die Zeit, die wir zusammenzubrachten, ausgenommen — unser beider Leben fast vollständig enthält.
Hermann wurde zu Nentweinsdorf am 19. März 1800 geboren.Seine Geburt war ein hoher Freudentag nicht nur im Vaterhause, womau sich schon längst einen Sohn gewünscht hatte, sondern bei allenUnterthaneu unserer Familie, und es war dieß um so natürlicher, alsauf meines Vaters männlicher Nachkommenschaft allein nur das Fort-bestehen unserer, der älteren Linie, beruhte. — Wie mein Vater dieGeburt seines ersten Sohnes, und später dessen Tause festlich beging,und in seiner Freude selbst einem neu zu bildenden Hof den NamenHermannshof gab, und den Wunsch aussprach, daß in Zukunft jedesmännliche Glied unserer Linie den Beinamen Hermann haben möge,habe ich schon oben erzählt. Ebenso, daß die Schulzen aller unsererOrtschaften bei der Taufe Pathen waren und mit in das Kirchenbucheingetragen wurden.
In den ersten Lebensjahren hatte Hermann mehrmals schwereKrankheiten durchzumachen und schwebte öfters in Todesgefahr, so ins-besondere im Mai 1804. Später kräftigte sich aber sein Körper so,daß er sich mit wenigen Unterbrechungen seine ganze Kindheit undJugend über der festesten Gesundheit zu erfreuen hatte und ein über-aus kräftiger Knabe und Jüngling wurde. In diesem kräftigen Knaben-körper zeigte sich schon frühe eine ebenso kräftige und gesunde Seele,die zu den schönsten Erwartungen Hoffnung gab. Ein fester bestimmterund durch und durch edler Charakter, der jedem Unwahren und Schlechtenentschieden Feind war, trat schon in dem Knaben mit Bestimmtheithervor und blieb der Grundzug von Hermanns Wesen durchs ganzeLeben.
Mein Vater erkannte bald, daß für diese kräftige Knabennatureine männliche Leitung nöthig sei, und nahm darum schon im Mai1805 einen jungen Erzieher, den schon bei meinem Vater genanntenPfarrerssohn Weinmann aus Schottenstein für einige Zeit in's Haus,der den fünfjährigen Knaben zu beaufsichtigen und bald darauf zu