Druckschrift 
2 (1865)
Seite
577
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versitätsstudium sofort in Praxis. Meine vorbereitende Landgerichts-praxis bestand ich in München und Bayreuth und machte in letztererStadt im Frühjahre 1830 das Staatsexamen. — Schon in jenerfrühen Zeit erhielt ich vom König Ludwig den Kammerherrnschlüssel,trat nach vollendetem Staatsexamen bei der Negierung des damaligenObermainkreises zu Bayreuth, Kammer des Innern, ein und wurdeim Frühjahre 1831 in Folge befriedigender PrüfungSnote sofort Raths-accessist bei genannter Kammer, wodurch ich dem größten Theile meinerPrüfungsgeuossen im Range vorkam. Damals hatte meine Neigungsich aber mehr der diplomatischen Sphäre zugewendet, und da mirhierzu vor Allein große Fertigkeit in der französischen Sprache nothwar, nahm ich einen längeren Urlaub und reiste nach Lausanne, woich den Herbst 1831 und den Winter auf 1832 zubrachte. Hier trateine wichtige Lebenswendung für mich ein, ich verlobte mich im Früh-jahre 1832 mit Justine, der jüngsten Tochter des aus Frankreichstammenden aber schon seit Langem in der Schweiz angesessenen Marquisvon Langalerie, und im Januar 1333 fand unsere Vermählung zuLäusanne statt. Unterdessen war ich bei dem Ministerium des Innernin München als Accessist eingetreten, und da ich meinen Vorsatz, zurDiplomatie zu gehen, seit meiner Verheirathung aufgegeben hatte, wurdeich im Herbste 1834 als I. Assessor am Landgerichte Au (einer Vorstadtvon München) angestellt. Kurz vorher ward mir die erste Vaterfreude.Am 15. September desselben Jahres wurde mir nämlich meine ersteTochter — Sophie — geboren.

Der Dienst am Landgerichte Au, wo ich vorzugsweise die Justiz-geschäfte zu führen hatte, war für mich, da ich in den letzten Jahrennur in der Verwaltung gearbeitet, mit großen Schwierigkeiten ver-bunden, aber gerade diese hatten für mich Reiz, und die l'/s Jahre,die ich diese Stelle inne hatte, waren für mich eine sehr interessanteund lehrreiche Zeit. Dazu verschaffte uns der Aufenthalt in Münchenvielfachen Genuß, und dieß ganz besonders meiner Frau, die einenreichen Sinn für alle Künste und namentlich für die Musik hat, in dersie eine, man kann fast sagen vollendete Ausbildung besitzt, und dafürin der reichen Kunststadt hohe Anregung fand. Auch unser inneresFamilienleben war ein überaus glückliches, und wurde es noch mehr,