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Nach seinen Fähigkeiten und Kenntnissen, und bei seinem Charakterwäre er berufen gewesen, Großes im Leben zu leisten, und dennochwar sein Leben eine in vieler Beziehung verfehlte Existenz, die ihnselbst nie beglückte, und ihm nicht Gelegenheit gab, sich so, wie er ge-konnt, in weiteren Kreisen nützlich zu machen. Die alleinige Schulddaran war, daß er nicht Kraft hatte, die Neigung zu steter Ver-änderung und Abwechslung zu bekämpfen und sich einein bestimmtenBerufe im Leben zu widmen. Viel Edles und Gutes ist dadurch nn-benützt verloren gegangen. Eine rechte Lehre für Jeden, daß deinManne vor Allem ein bestimmtes Berufsleben — eine, einem festge-setzten Thätigkeitszwecke gewidmete Existenz, — nöthig sei!
Ich führte bereits an, daß Christian Ernst mit Sigmund gleich-zeitig auf dein Gymnasium in Coburg und auf der Universität Erlangenwar, und von da im Dezember 1780 die Universität Güttingen bezog,wo er bis zum Frühjahre 1784 blieb. Nachdem er hier seine Studiender Rechts- und Staatswissenschaft vollendet hatte, beschloß er, in denStaatsdienst zu treten, und ging zu diesem BeHufe nach Nassau, woer sich bei öffentlichen Aemtern für denselben vorzubereiten begann.Er hatte alle Eigenschaften hierfür, denn er war von der Natur miteinem überaus klaren und praktischen Verstände begabt, und hatte sichgründliche Kenntnisse erworben, aber er hatte daneben eine unbezwing-liche Neigung zu steter Abwechslung. Es war ihn: nicht möglich,lange an einem und demselben Orte zu verweilen, und schon alsjunger Mann begann er daher von Nassau aus fortwährende Türen,und selbst größere Reisen zu machen, wodurch natürlich seine praktischenVorstudien zum Staatsdienste viel unterbrochen wurden. Endlich gewannder Reiz des Wanderlebens bei ihm so das Uebergewicht, daß er jenePraxis in Nassau ganz aufgab, und nun einige Zeit fast ausschließlichauf Reisen in und außer Deutschland zubrachte, während welchen ernur zeitweise auf wenige Wochen nach Rentweinsdorf zu den Brüdernkam. — Diese Reisen, mit denen er stets gründliche Völker- undLänderstudien verband, trugen übrigens sehr zu seiner weiteren Aus-bildung bei, und machten ihn nicht nur zu einem höchst geistreichenund liebenswürdigen, sondern auch zu einein recht gründlich unter-richteten Mann.