Druckschrift 
2 (1865)
Seite
406
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Unduldsamkeit getretene Anfklärungseifer, der von den großen Geisternjener Zeit mächtig gefördert und von den Freimaurern zum wahrenCultus gemacht wurde, war zur schwärmerischen Modesache geworden,die in Kaiser Joseph II. ihren Culminationspunkt erhielt, aber beiallem Guten, das dadurch gefördert ward, doch in eine überspanntekrankhafte Manie ausartete, die die beklagenswerthe Richtung annahm,den Menschen über den Christen, und allgemeine poetische Menschen-liebe über die wahre christliche Liebe, die die Frucht des Glaubens ist,zu stellen. Das Fundament der christlichen Lehre — Liebe zu Gottund den Menschen — wurde ganz irrthümlich aufgefaßt, es wurdevon: Glauben getrennt und ward als die allein nur aus der natür-lichen Religion entstandene Liebe gedacht, während die wahre Christen-liebe, die uns die geoffenbarte Religion lehrt und einprägt, als derAufklärung angeblich feind, verworfen ward.

Diese Richtung der Zeit, die der Lehrer dem jungen Sigmundeinprägte, drang tief in das jugendlich empfängliche Herz, und wardder Grund zu der ganzen künftigen Ausbildung seines Geistes undHerzens, aber nicht in der falschen krankhaft ausgearteten Ueberspan-nung jener Zeit, sondern nur nach ihrer besseren Richtung hin, unddieß war das Werk seiner trefflichen Mutter, die mit ihrem gläubigfrommen, aber praktischen Sinn der schädlichen Ueberspanntheit jenerRichtung das Gegengewicht hielt; und so sehen wir in Sigmunds reli-giöser Richtung, wie er sie durchs ganze Leben kund gab und that-süchlich bewährte, nur das Gute und Lobenswerthe jener Zeitrichtung.Er war und blieb wohl ein treuer Jünger jener Zeit, bezeugte aberstets wahre Ehrfurcht vor den positiven Glaubenslehren des gcoffen-barten Christenthums, die in jener Zeit und noch in den ersten De-cennien des gegenwärtigen Jahrhunderts vom Nationalismus fast ver-drängt waren.

Das von Liebe zur ganzen Menschheit überströmende Herz gabsich in mehreren poetischen Versuchen des erst fünfzehnjährigen Knabenkund, die zwar ohne poetischen Werth, doch ein treuer Spiegel seinesreinen liebereichen Herzens sind, von seiner schwärmerischen Begeisterungfür alles Gute und Edle zeugen, und schon damals den Drang seines