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Zeit in Nentweinsdorf bei ihrem Onkel Sigmund, aber bald glaubtesie, daß die dortige Dienerschaft, ja daß selbst einzelne ihrer Verwandtenin der ihr feindlichen Verbindung seien, und in jedem Zimmer, dasman ihr gab, hörte sie Nachts fortgesetzten Lärmen und selbst Spott-rufe. Sie verließ Nentweinsdorf und zog in eine Stadt, doch überallwar es dasselbe. Sie wechselte nun nach jeden Paar Jahren ihrenAufenthaltsort, reiste oft heimlich ab, nahm andere Namen an, umunerkannt zu sein, Alles umsonst; die erste Zeit am neuen Orte hattesie Ruhe, bald aber gewann die fixe Idee wieder die Oberhand, undwo Alles ganz still war, horte sie fortgesetzten Lärm, der Folge ihresgestörten Nervensystems war. So wurde die Aermste fast fünfzig Jahrelang durch jene qualvolle Krankheit ihres Geistes gemartert. Sie hattenach und nach in einer Menge Städte Deutschlands gewohnt, hatteeinen längeren Aufenthalt bei der Herrnhutergemeinde in Niesky ge-macht, hatte sich überall an die Behörden, öfters sogar an die Landes-fürsten um Schutz gewendet, und es wirklich einigemal erreicht, daßUntersuchungen angestellt wurden. Da aber das, was sie ihren Feindenzuschrieb, meist in ihrer krankhaften Einbildungskraft lag, so konntenihr Polizei und Gerichte nichts helfen. Manchmal zeigte es sich aller-dings, daß der von ihr gehörte Lärm wirklich gemacht wurde, um siezu stören, allein es erwies sich auch immer, daß dieß nicht Folge einerweitverzweigten Verbindung oder Verschwörung sei, sondern von ihreneigenen Domestiken veranlaßt war, die entweder irgend eine boshafteRache an ihr ausüben oder Geld von ihr dadurch gewinnen wollten,weil sie ihnen dann gegen besondere Bezahlung Nachtwache auftrug.Vorstellungen und Ueberredungen fruchteten nichts, und Widerspruchihren Erzählungen und Behauptungen entgegen zu setzen, setzten derGefahr ans, selbst als Theilnehmer der feindlichen Verbindung zugelten. — Im Uebrigen war Luise vollkommen bei klarem Verstände,sehr unterrichtet, geistreich und liebenswürdig, und ihr Umgang, solange sie nicht von der Verfolgung sprach, höchst angenehm, dabeiwar sie von Herzen gut und edel. — Ihr letzter Aufenthalt war inNürnberg, wo ich als damaliger Regierungsrath vom Regierungs-bezirke Mittelfranken, zu dein Nürnberg gehörte, viel und oft von ihrum Hülfe und Beistand angegangen wurde, und der Polizei Nürn-bergs wirklich die Weisung gegeben hatte, ihr Haus zur Nachtzeit zu