Mainzer Räthe.
Stadt- und Streitkirche.
Kronberger Anwälte.
I. Des Städtleins Kronberg fünfzigjähriger politisch-religiöser Kampf gegen Kurmainz.
AS Reichslehen Kronberg-Eschborn war dem Erzstifte Mainzanheimgefallen. Der kurfürstliche Kommissär besetzte am18. Juli 1704 Schloss und Stadt mit Truppen. Den drei pro-testantischen Geistlichen eröffnete er: Churfürstliche Gnaden sei jetztrechtsmässiger Herr; sie sollten ihn in ihr Kirchengebet einschliessenund bei der Religionsfreiheit gelassen werden. Das klang soweit ganztröstlich; aber die Kronberger hatten nicht vergessen: was seit 80Jahrenbei ihnen versucht, und wie in den früher protestantischen, jetzt völligwieder katholisirten Nachbarorten Königstein und Oberursel gleicheerzbischöfliche Versicherungen gegeben und eingehalten waren.
Hierzu kamen bei der Bevölkerung der kleinstreichsländischeetwas dünkelhafte Lokalpatriotismus, und ein stark entwickelter Sinnfür partikularistische kleinliche Zuchtlosigkeit gegenüber der weltlichenObrigkeit; mit einem Worte: ein kommunaler Grössenwahn, genährtunter dem schlaffen uneinigen Regimente der letzten abwesenden Kron-berge, gestützt auf vermeintliche alte Vorzüge und Reservatrechte, dieman durch die strammere Ordnung der kurfürstlichen Verwaltung ge-fährdet oder doch gekränkt vermeinte. Aus diesen religiösen undpolitischen Gegensätzen entwickelte sich ein fast fünfzigjähriger Kampfder protestantischen Kronberger gegen den neuen Landesherrn undseine, jesuitisch erzogenen oder doch geleiteten, geistlichen und welt-lichen Räte. Die Beschwerden waren meistens höchst unbedeutend,