Schmähliches Ende der Union, 1621. Schweikardsburg in Mainz. 485
und vermögen treulich helfen und beistehen. Sie wollen auf „Ihre selbstaigene defension sehen," um, wenn einer aus Ihnen angegriffen werde,im beizuspringen. Auch haben sie beschlossen: „an die Unierte Corre-spondierenden Stendt im Reich, Statt Graven und die Ritterschaftenschrifftliche Abmahnung wegen des Beheimbischen Wessen abgehen zulassen."
Das geschah mit voller Wirkung. Die Union gab schon am5. Juli 1620 den Winterkönig preis. Sie krankte an innerer Uneinheit;jedes Mitglied verfolgte seinen selbstsüchtigen Zweck. Die Liga dagegenunterordnete sich unbedingt dem religiösen und politischen Endzweckedes Kampfes und Johann Schweikard war ein gefahrlicher Unterhändler.Am 8. November 1620 fand die böhmische Herrlichkeit des Pfälzersam Weissen Berge ihr klägliches Ende. Friedrich V wurde schon imJanuar 1621 in die Acht erklärt. Schweikard veranlasste, am 9. Fe-bruar 1621, einen Beschluss der Liga: „zu rüsten um dem Kriegsun-gemach in der Pfalz wirksam zu begegnen." Letzteres ward in derdeutschen Pfalz einem spanischen Heere unter Spinola anvertraut. DieUnion löste sich am 12. April 1621 förmlich und schmählich auf; siebehielt nur die „vertrauliche Correspondenz" bei. Das Spottlied ging:
„Der Unirten Treu ging ganz verlorn,
Kroch endlich in ein Jägerhorn,
Der Jäger blies sie in den Wind;
Das macht: dass man sie nirgends findt."
Nach Ausbruch des grossen Krieges beschäftigte sich der Erz-bischof mit der Befestigung von Mainz. Die Citadelle auf dem Jakobs-berge, damals die Schweikardsburg genannt, ward 1620 begonnen undspäter von dem Schwedenkönige, 1631—32, weiter ausgebaut.
Um diese Zeit war, durch das ganze Erzstift, der Kampf gegendas Hexenwesen in vollem Schwange. Der Name bedeutet: Hagbe-sucherin (zu den heimlichen Teufelsfesten), Hägesche, Hexe. SchweikardHess sich „von der theologischen und juristischen Fakultät der hohenSchule" — wie der alte Bodmann erzählt — „gar umständliche Be-richte darüber erstatten, die ohne tiefes Mitleiden über die Geistes-schwäche der damahligen gelehrten Herren wohl Niemand jetzt lesenwird." Auf dieser Grundlage befahl der Erzbischof, „das Verfahrengegen diese Unglücklichen gar in ein rechtliches System dadurch zu
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