Druckschrift 
Die von Kronberg und ihr Herrensitz : des Geschlechtes Ursprung, Blüte, Ausgang ; der Burg Gründung, Ausbau, Niedergang, Zerfall, Wiederherstellung ; eine kulturgeschichtliche Erzählung aus elf Jahrhunderten 770 bis 1898
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

Walter Rathsgebietiger der Bailei Franken, 1520.

397

sandte an die Herzoge von Cleve. Es betraf ein Heiratsprojekt fürderen Schwester Anna, die spätere Gemahlin Heinrichs VIII von England.

Gleichzeitig waren beide Männer, wie wir wissen, Friedensstifterzwischen der Stadt Frankfurt und dem gefährlichen Franz von Sickingen.Im Jahre 1517 errichtet der Ordenskomtur Walter von Kronberg in Frank-furt a. M. eine Bruderschaftzu Ehren der allerseligsten Jungfrau und desh. Sebastian." Gleichzeitig erbaut er auf der Südseite der Deutschordens-kirche zu Sachsenhausen, rechts vom Eingange, die Kapelle des h. Sebastian.

Im Jahre 1519 schickte der bedrängte Hochmeister seinen Rat,Diedrich von Schönberg, an den Rhein wegen eilender Hülfe;ein er-losen man, des hoemeisters underhembt," nennt ihn Walter. Dieserhatte Sickingen auf zwei Jahre zum Dienst gewonnen. Als bereiter Teil-nehmer wird, nebst anderen, Hartmut von Kronberg genannt. Alleinder Deutschmeister war wegen der Subsidien schwierig. Endlich ver-stand er sich dazu: die Summe beim Komtur von Frankfurt niederzu-legen und durch ihn Zahlung leisten zu lassen, wenn der Hochmeisterwirklich Soldtruppen in Bewegung setze. Die Sache verlief im Sande.

Im Jahre 1520 wurde WalterRathsgebietiger" der Bailei Franken.In diesem Jahre stand der König Sigismund mit einem grossen Heerebei Thorn. Albrecht versuchte einen verzweifelten Widerstand. Jedochdie deutsche Geldhülfe blieb aus; die angeworbenen Söldnerhaufenzerschmolzen bald, weil der Sold nicht bezahlt werden konnte. Aber-mals trat ein mehrjähriger Waffenstillstand ein. Als Sickingen im Sep-tember 1522 gegen Trier zog, wurde auch Walter als hessischer Vasall,wir wissen nicht: wie fern? zur Lehensfolge nach Darmstadt gerufen.Er erwiederte pflichtmässig: der Deutschmeister habe ihm befohlen, sichzu Hause zu halten. Er bleibe daherin Cronenbergk und nechst dazu."Trier, dessen Lehnsmann er ebenfalls sei, habe ihn auch erfordert:zukommen oder zu schicken." Diesem erkenne er sich vor anderen zudienen schuldig und habe ihm 4 Knechte und pferde geschickt. Erbitte daher:ihn diesmal zu übersehen. Vor allem müsse er seinemOrden gehorchen." Das sehr unbedeutende triersche Lehen soll vorEschborn gelegen haben. Am 14. Oktober 1522 wurdedurch Waltersfurbit Cronbergk ufifgenommen und den drei Kriegsfürsten übergeben."

Im Jahre 1523 hielt sich der Hochmeister wiederum in Deutsch-land auf, jetzt unter persönlicher schwerer Geldbedrängniss; er hatte