388 Zeugnisse der Zeitgenossen und Nachlebenden für Hartmut.
Ranke sagt von Hartmut: man kann ihn „als ersten, im Stileiner spätem Zeit frommen, vollkommen überzeugten Lutheraner be-trachten."
Nach den Zeugnissen seiner Zeitgenossen, nach seinen SchriftenThaten und Leiden, war er eine offene ehrliche lautere Seele. Berechnung,Verstellung, Verleugnen seiner Ueberzeugung war ihm fremd. Leichterregbar, entzündlich, raschen Entschlusses, rührig in Ausführung,feurig in Hoffnung, ergeben in Trübsal, tief und echt fromm, mehrGemütsmensch als scharfen überlegenen Geistes wie seine FreundeSickingen und Hutten. Die Begeisterung riss ihn fort zu kühnen san-guinischen Erwartungen, zu reinherziger Schwärmerei. Zugleich trugihn eine seltene gleichmütige Standhaftigkeit im Harren und Dulden.Kein Fehlschlag machte ihn verzagt. Er hielt fest; er war stetsbereit, als ein Nachfolger der Apostel und Märtyrer, Gut und Blutfür seinen Herrn und Heiland hinzugeben. Sein Glaube war aufdie heilige Schrift gegründet; aus diesem Borne hatte er das Wasserdes Lebens getrunken. Puritanisch, im besten Sinne pietistisch, abge-wandt allem äusserlichen, dogmatischen zelotischen hierarchischenMenschenwerke auf beiden kirchlichen Seiten, setzte er das Wesen desChristentums in die Liebe. Mit gleicher inniger Liebe hing er anseinem deutschen Vaterlande; das Heil aber seines Volkes suchte erin einer idealen Kirche. Während seines stürmischen Jugendkampfeskannte er nur Himmel und Hölle, nicht die — einzig mögliche —irdische Mischung aus beiden. Und stets war er fertig: mit wahrhaftritterlichem Mute diese ideale Ueberzeugung in heiliger Einfalt vorKaiser und Reich, vor Papst und Orden, zur Zeit und Unzeit, mitfeurigen überquellenden übereifrigen Worten zu bekennen.
So darf er den wirkungsreichen Bahnbrechern der Reformationzugestellt werden.
Spangenberg, im: „Adelspiegel" (1594) konnte mit vollem Rechtvon ihm bezeugen: . . „ist Hartmut von Cronberg das Evangelium eingrosser ernst gewesen, darob er auch hefftig und doch auch mit Ver-stand geeivert. . . Alle seine wort und reden von der Religion giengenaus grund und brunst seines Herzens . . . das er sogar frewdig undungeschewet die göttliche Wahrheit bekandt . . . mit der that undschrift für und gegen alle weit."