Der Kronberge Undankbarkeit gegen den Landgrafen, seit 1543. 375
Francke uff ey mall ausbracht soll seyn. weytter werd ich euch nitwissen anzuzeyge. Sollichs hab ich euch, zu Liehe darnach zu suchen,haben nit wollen verhalten; meyn briff war ey cleyner lateynischer priffmeynes behaltens uff Hern Hartmudt vo Cronberg stehend, der desalten Francke Schwester gehapt deren mutter eyne von Hotzfelt, aberdess alte Francke Mutter eyne von runckel gewesen. Datum uff mon-tag nach Sebastiani xliiii. Hartmudt von Cronbergk.
Allerdings gingen Bucers gutgläubige Versicherungen über dieeifrigen „herrlichen" Dienste, die Hartmut und seine Söhne dem Land-grafen freiwillig leisten würden, nicht in Erfüllung. Und das war imGrunde selbstverständlich. Wenn der alte Vater auch äusserlich treuzu seinem erzwungenen Worte stand: so hielt er nicht minder fest anseiner Lehenspflicht, an seinem Rechte, an des Landgrafen Unrechte;so waren doch seine Söhne, vor allen aber die zwei Flügelstammsvetternfast zwanzig Jahre lang ihres Erbes gewaltsam beraubt gewesen und end-lich nur durch den Druck Kaiser Karls V und der allgemeinen politischenVerhältnisse, notdürftig und wesentlich verkürzt, in ihr gutes Rechtwieder eingesetzt. Zur thätlichen Dankbarkeit gegen den Landgrafenkonnte kein Kronberg innern Drang fühlen, noch band ihn dazu äussererZwang. Andrerseits führte sie die Lehenspflicht und die gegebene Lageder kleinen Reichsunmittelbaren zum Kaiser, als ihrem einzigen Be-schützer gegen die Landesfürsten. So finden wir Hartmut alsbaldwiederum gut kaiserlich und reichsritterlich gesinnt; zwei seiner Söhnefechten 1552 als kaiserliche Offiziere gegen Kurfürst Moritz von Sachsenund Philipp von Hessen.
Bereits im Jahre 1543 fand Landgraf Philipp Ursache zur Klageüber kronbergische Undankbarkeit. Er war bemüht: das von seinenVorfahren gegründete und reich ausgestattete Spital des DeutschenHauses in Marburg wiederum stiftungsmässig für protestantische Geist-liche und für sechzig Kranke einzurichten. Dagegen wollte die, in BurgFriedberg angesessene mittelrheinische Reichsritterschaft auch fernerdas protestantische „ritterliche Spital" des Deutschen Ordens beibe-halten. Hartmut Xll war unter den Vorständen der Genossenschaft.Der Landgraf an Bucer, Cassel 4. November 1543.
. . . „Darbei können wir nit unerindert lassen, das wir uf eweranhalten den Hartmann von Cronberg widerumb begnadet und zu dem
24*