Jakob in Thüringen niedergemacht, Lorche von Hartmut heimgebracht. 359
gesandten dem Juden, der ihnen persönlich bekannt ist, irgendwo inKursachsen auf offener Strasse begegnen. In seinem Aeussern er-scheint er als ein Edelmann zu Pferde, im verbrämten Rocke, den Hutmit Zindel überzogen und mit einem Federbusche geschmückt. DieUnterredung mit ihm ergiebt: dass er Lorche vor sechs Tagen in Witten-berg verlassen hat. Damit ist seine Persönlichkeit festgestellt; zu seinergewaltsamen Festnahme haben sie nicht die Macht. Da sie ihn mithinlebendig nicht heimliefern können, so entschliessen sie sich kurzerHand: ihn kalt zu machen. Und das wird sofort ausgeführt. Sie stechenihn vom Pferde, binden dieses an einen Baum, lassen den Erschlagenenund seine Wehr daneben liegen, nehmen ihm nur sein Geschmeidenebst einem silbernen Dolche und verschwinden. — So etwa lautetdie einfache rechtfertigende Meldung Wolf Dalbergs an den KurfürstenJohann Friedrich. Weitere Folgen hat die Rachethat, soviel wir er-fahren, nicht gehabt. Nicht einmal Mitleid fand der arme Jakob.Luther erwähnt sein Ende in zwei Briefen an Spälatin, vom 24. Augustund 6. September 1535: „Jener Jude, ihr Verführer, hatte einen sehrschlechten Namen, ebenso wie schon seine Eltern und man meint inWittenberg: dass er mit vollem Rechte getötet sei." Auch Spalatingiebt Lorchen immer noch den Ehrentitel: „honestissima mulier."Ueber ihre ferneren Schicksale erfahren wir: nach Jakobs Tode hattesie sich vor ihren Verwandten aus Eisenach bis nach Schlesien ge-flüchtet. Von dort wurde sie „friedlich zurückgerufen" und vermutlichirgendwo in der Heimat still untergebracht. Weiter war über die zwei-fache Wittwe nichts zu ermitteln; nur meldet die Flersheimer Chronik:dass Lorche Dalberg im Jahre 1547 nicht mehr lebte.
Wir kehren zur allgemeinen Geschichte jener Tage zurück.
Im März des Jahres 1536 brach Franz I in Savoyen ein. Karl Vantwortete im Juli durch einen doppelten Angriff auf Frankreich. Abersein Heer in den Niederlanden musste, nach vergeblicher Belagerung,von Peronne abziehen; er selbst, aus Mangel an Vorräten, nach grossenVerlusten die Provence wieder räumen. Hartmut war bei dem Nord-heere im Gefolge des kommandirenden Grafen von Nassau. Der Land-graf Philipp hatte augenscheinlich den beraubten Sickingen und Kron-bergen wie auch dem Kaiser gegenüber kein reines Gewissen und wasnoch bedenklicher ist: kein sicheres Machtbewusstsein mehr. Unterm
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