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Lorche incognito bei Dr. Luther in Wittenberg.
kann ihn nicht verlassen; man möge das ihre Kinder nicht entgeltenlassen."
Lorche war in Erfurt mit ihrem Geliebten zusammengetroffen undvon ihm nach Wittenberg gebracht. Hier blieb sie einige Monate undgab einem Kinde das Leben. Sie hatte den Dr. Luther aufgesucht, ohneihm ihren wahren Namen zu nennen. Er war „von angeblichen Nonnenund anderen fahrenden Frauenzimmern" vielfach hintergangen und ge-täuscht worden — wie er seinem Freunde Justus Menius in Eisenachschreibt — und dadurch sehr misstrauisch. Er kam daher der dunklenFremden nur mit grosser Vorsicht entgegen, wurde aber bald durchihre Persönlichkeit sehr für sie eingenommen. Nun unterstützte er siemit Rat und That, suchte sie in ihrem Jammer zu trösten und standbei dem Kinde Gevatter. Gegen Menius nennt er sie ein „vortreff-liches Weib;" sie sei „jedenfalls aus edlem Geschlechte." Als Lorchezu Anfang Augusts Wittenberg verlässt um in Eisenach durch Meniusein Unterkommen zu finden, empfiehlt Luther sie dem Freunde sehrangelegentlich: „als eine Unglückliche die vielleicht gefehlt hat, an derer aber Samariterdienste üben soll."
Luthers Menschenkenntnis hatte ihn diesesmal nicht völlig ge-täuscht, denn wenige Tage darauf tritt Hartmut Kronberg bei ihm ein;er hat die Spur seiner Schwester bis dorthin verfolgt. Von ihm erfährtDr. Martin den Zusammenhang und wendet nun seine ganze Beredt-samkeit und Autorität auf um den Bruder milde zu stimmen. Hartmutverspricht: die Schwester aufsuchen und für sie sorgen zu wollen.Luther meldet das am 24. August an Menius. Dieser soll Lorche tröstenund Hartmut, wenn er bei ihm eintrifft, an sein Versprechen erinnern.Wenn Lorche, dieses „vortreffliche Weib," sich ihm voll anvertrauthätte, so würde er sie viel früher ihren Verwandten wieder haben zu-führen können."
Hartmut durfte sein Versprechen um so leichter geben, als in-zwischen der Hauptstein des Anstosses aus dem Wege geräumt war.Die Verwandten hatten beschlossen gehabt: die Unwürdige zwar nichtan Leib und Leben zu strafen, unter allen Umständen aber sie von demJuden zu befreien. Sie wenden sich um Beihülfe an den KurfürstenJohann Friedrich von Sachsen, auf dessen Gebiet sie ihre Suche zuhalten haben. Der „Zufall" will, dass die Dalberg-Kronbergschen Ab-