Frau Lorche entflieht aus Hernsheim mit dem Juden Jakob. 357
Dalberg war mit Katharina Kronberg, Kaspars I Wittwe, verehelicht. AchtJahre lang lebte Lorche als stille ehrsame Wittib, scheinbar nur derErziehung ihrer Kinder. Zu Anfang des Jahres 1535 erkrankt sie undbeschliesst, mit Vorwissen eines Vetters, Wolf des jüngeren, Dalberg:sich in die Kur des Doktors Hermann, den sie aus Heidelberg kannte,nach Köln zu begeben. Um die Mitte des März bricht sie auf undfährt, in Begleitung einer jungen Magd und eines Bauern aus Herns-heim, nach Bingen. Hier lässt sie den Wagen zurückgehen, ändertihren Weg und reist mit ihren Begleitern über Mainz nach Frankfurt;von dort weiter gen Norden. Acht Tage darauf regt sich bei denVettern Wolf und Friedrich von Dalberg einige Besorgnis um dieKranke in Köln. Sie schicken einen Boten zum Doktor Hermann;dieser weiss nicht das Geringste von Frau Lorche.
Am 4. April bringt der endlich zurückgekehrte Bauer einenBrief der Reisenden, der an Friedrich Dalberg und an ihre SchwesterKatharina Kronberg, Klosterfrau zu Liebenau, gerichtet ist: Lorchebefindet sich in Erfurt; sie gesteht „mit kläglicher Schrift:" dass siesich heimlich wiederverheiratet hat, guter Hoffnung ist und umJakobi (25. Juli) niederkommen wird. Ihre Ehe ist allerdings nichtstandesgemäss; sie will jedoch die Thatsache nicht verheimlichen, daja die Verheiratung ihr frei stehe. Lorche erbietet sich: gegen einen„ziemlichen Pfennig" alle Staatskleider und Kleinodien auszuliefern,da sie dieser sich jedenfalls entledigen will. Ihre Kinder, die sie beiihrer Schwester im Kloster Liebenau zurückgelassen, empfiehlt siedem Wohlwollen der Verwandten.
Wolf und Friedrich Dalberg, mit ihnen der Bruder Hartmut XII,verlangen in ihrer Erwiederung zunächst eine zuverlässige Auskunftdarüber: mit wem Lorche verheiratet sei? Sie versprechen: sie standes-mässig zu versorgen, falls sie ihr Verhältnis auflöse und zu ihren Kindernzurückkehre. Nun erklärt sich Lorche offen: sie hat sich mit einemJuden Jakob verheiratet; sein Vater heisst Alexander; beide wohnen zuGross-Gerau unter dem Landgrafen von Hessen. Zwar hat Jakob bereitseine Frau und vier Kinder; jedoch ist es ihm nach jüdischem Gesetzenicht verboten, die eine zu verlassen (vermittelst des Scheidebriefes)und eine andere zu nehmen. Lorche hat niemand lieber als diesenJuden; schon seit drei Jahren steht sie mit ihm im Verhältnis; sie
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