Druckschrift 
Die von Kronberg und ihr Herrensitz : des Geschlechtes Ursprung, Blüte, Ausgang ; der Burg Gründung, Ausbau, Niedergang, Zerfall, Wiederherstellung ; eine kulturgeschichtliche Erzählung aus elf Jahrhunderten 770 bis 1898
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

Sickingens Standespolitik. Hartmuts Absage an Richard von Trier (September). 291

religiöses Bedürfnis nach inneren Reformen zu Grunde. Es war viel-mehr: Standespolitik. Sie richtete sich allerdings vornehmlich auchgegen die weltliche Herrschaft der hohen Geistlichkeit; gegen den allesüberwuchernden Besitz dertoten Handgegen die AussaugungDeutschlands durch Rom in der Form von Palliengeldern, Annaten,Dispensationen und Ablass. Man hat diese Bezüge der Kurie auf 300,000Gulden jährlich berechnet. Als erster Angriffspunkt wurde Trier aus-ersehen. Hartmut schrieb darüber an den Reformator Spalatin zuAltenburg, den er in Worms kennen gelernt hatte: dass SickingendemEvangelium und dem Worte Gottes ein Thür öffnen wolle, welche vondem Erzbischof nach menschlichen Vermögen aufs heftigste verschlossengehalten wird." Dr. Martin jedoch Hess Franzen dringend warnen:von jeglicher Gewalt abzustehen.

Aber auch durch seine Persönlichkeit hatte Richard Greiffenclauerbittert und aufgereizt. Sein hochfürstliches Gebahren gegenüber seinenVerwandten und Standesgenossen, seine Käuflichkeit bei der Kaiser-wahl, besonders aber seine feindseligen Redenetwas unbedachtsamund gehnhitzig (jäh)" gegen den Vetter Sickingen auf dem Reichstagezu Augsburg hatten ihn hervorragend verhasst gemacht. Er selbst,ein kluger und thatkräftiger Politiker, traute dem Landfrieden schonlängst nicht mehr. Bereits seit längerer Zeit war er deshalb mitKurpfalz und Hessen in Einigung wegen gegenseitiger Hülfebei land-brüchigem Ueberfall . . . auf dass wir bei unserer hergebrachten Herr-lichkeit, Obrigkeit .... erhalten mögen werden; auch zur Underhaltung

und Vollenziehung des gemeinen königlichen Landfriedens "

Hartmut sagte, um den 1. September 1522, dem Erzbischofe Richardseine trierschen Lehne auf. Sie waren unerheblich: 2 Huben zu Esch-born, ferner 40 Gulden Rente als irgend ein unbekanntes Erbburgmanns-lehen. Der Brief lautet: ....E. f. g. haben noch gut Wissens, welchermass ich E. f. g. gevarnt hab uff dem vorschienen Reichstag zu Wormbs.Und wie dieselbig varnung billich hochgeacht worden solt sein, dieweildieselbige gottes wort belanget .... desshalben solten E. f. g. solchgetrew meynung nit meiner person nach, als der gerings Verstands ist,uffgenommen haben. . . Das wort ist ein almechtiger und gewaltigerherr und richter hymelreichs und ertreichs und aller creaturen. Soich erkundiget habe und mit schmerzen warhafftiglich erfahren, wie