274 Sickingens Fehde gegen Worms, 1515. Hartmuts Erziehung am pfälzer Hofe.
auf. Gleichzeitig Hess er sich seine Ganerbenburgen „öffnen" um einefeste Operationsbasis zu gewinnen. Er entbot seine Freunde: ihmRitterdienst zu leisten; nebenher warb er, durch guten Sold und Aussichtauf „Nähme," ein Fähnlein „frummer" Fandsknechte ( tüchtiger; esfrommt mir es taugt). Der benachbarte mächtige Fandesherr sahmeistens der Bedrängung der grösseren ihm widerspenstigen Stadt teil-nahmslos jedoch wohlwollend zu. Häufig wirkten sogar Unruhen imstädtischen Innern günstig für den Angreifer.
So entspann sich die gewaltige mehrjährige Fehde Franzens vonSickingen gegen die Stadt Worms. Dort kämpften, wie wir schon ausAbschnitt II vom Bischof Eberwin (36 K) wissen, seit altersher dieBischöfe mit der Stadt um deren Reichsfreiheit; nicht minder rauftensich innerhalb der Mauern die Geschlechter mit den Zünften um dasRegiment. Im Jahre 1514 wurde ein Aufstand der letzteren niederge-worfen. Zu ihren entwichenen Führern gehörte Balthasar Schlör,bischöflicher Notar. Er trat als Schreiber in Sickingens Dienst. Dieserüberfiel, fast zugleich mit seinem Fehdebriefe, bei Oppenheim einMarktschiff, das den Altbürgermeister und mehrere Ratsfreunde vonWorms zur Fastenmesse rheinab und mainauf gen Frankfurt trug.Der schwere Fandfriedensbruch zog dem Uebelthäter, am 15. Mai1515, ein vernichtend klingendes kaiserliches Achtsmandat zu. Franzenjedoch kümmerte das wenig. Er erliess den Kriegsruf und gab seinenFreunden Werbebriefe. Unter ihnen auch dem damals siebenund-zwanzigjährigen Hartmut XII (100 K), nebst seinem Vetter und SchwagerKaspar I (96 F) von Kronberg.
Hartmut war 1488 geboren. Sein Vater Johann IX (87 K) sassfrüher als kurpfälzischer Amtmann zu Oppenheim, am 21. März 1489finden wir ihn als Amtmann in Höchst; kurz darauf, bis zu seinemTode 1506, regierte er als kurmainzischer Vizedom in Aschaffenburg.Seit 1483 war Johann mit Clara von Helmstadt verheiratet. In Aschaffen-burg also wird Hartmut seine Kinderjahre verlebt haben. Schulbildungund rittermässige Erziehung erhielt der Knabe am Hofe des PfalzgrafenPhilipps des Aufrichtigen zu Heidelberg, in der Umgebung des Kur-prinzen Fudwig. Sein Oheim und späterer „Schweher" (Schwiegervater)Philipp VI (92 F) von Kronberg war damals Marschall der Pfalz. Unterihm lernte der junge Neffe früh den praktischen Krieg in der blutigen