Die Herrentrinkstuben. Geistliches Spiel und Festmahl in Frankfurt. 209
und kappes (Kapaunen) und darnach gebrodes und firn und nuwen win,und darnach gehet man zu sanct Antonius, da danzet man wider druwemal, und nach dem ersten danz giebt man confect und wisen win undnach dem andern danz lepkuchen und roden win; nach dem drittendanz scheidet man, und dann giebt man jeglicher frawen und jung-frawen ein par bröderchen und ein messer, und also gehet man wiederauf die Stuben Limburg.
Jacob Rohrbachs Tagebuch berichtet ferner: „Am 4. Juni, dem zweitenPfingstfeiertage 1498 wurde hier vor dem Rathhause, das „der Römer"heisst, auf einem Gerüst, das deshalb erbaut worden war, ein Spiel ge-feiert, bei dem 280 Personen, gut gekleidet und, wie sich ziemt, ge-schmückt, betheiligt waren. Sie spielten aber an jenem Tage zuerst dasOpfer Abrahams, die Geschichte der Susanna, vom reichen Mann undarmen Lazarus." „Der Pfarrer von Obern-Eschersheim, der vorher denhimmlichen Vater gespielt hatte . . . begann, die Person Christi vor-stellend, die Leidensgeschichte. Sie dauerte bis zum 7. Juni. Er hingzwei Stunden am Kreuz. Am 11. Juni luden die Spieler den ganzenRath zum Frühstück; er gab ihnen zwei Ohme Wein und 20 Goldstücke.Am Magdalenentage (22. Juli) betheiligten sich an der Prozession auchdie Mitspielenden in ihren Kostümen . . . fünf stellten den Heiland vor:als Gefangenen, Kreuzträger, Auferstandenen. . .
Am 3. Juni 1500 gab der frankfurter Canonicus Jacob Rohrbach selberein Festmahl. Die Speisen waren: 1. Erdbeeren mit Zucker; 2. in jedeSchüssel 4 Hühner und ein Stück Hammelfleisch gedämpft mit Cibebengrossen & kleinen Rosinen Muscat & Muscatblumen; 3. gesotten schotten(süsser Quark); 4. in jede Schüssel 4 junge Hühner, eine Hammelkeule,eine halbe Gans mit Sauce; 5. Käse & Kirschen. Abends: Kirschen,Confect, Rettig. 2 Milchgerichte: zwei molken das ein in der schusseln,das anda uss den haffen zu trinke.
Man pries wohl das heimische Gewächs im Rheinweinliede:
Wein, wein von dem Rein Du gibst medicein
Lauter, claar und vein, Für trauren; schenk du ein!
Dein varb gibt gar lichten schien. Trinck, guot Kätterlein
Als cristall und rubin. Mach rotte wängelein. u. s. w.
Aber man trank daneben mit Vorliebe süssen Wein aus Malmasieund Rummenie; vor allen war der Rainfall oder Reynfall hochgeschätzt.