Er unterscheidet von diesen Turniergesellschaften, in welche jeder unbescholtene Edelmann
Aufnahme fand, die gröfseren, die Rittergesellschaften, welche an den Höfen regierender Fürsten ent-standen und aus denen mehr oder minder die heutigen Ritterorden hervorgegangen sind. Er bildet auchdiese Zeichen (Kleinode mit Ketten, schlechtweg Gesellschaften genannt) als Schmuck der betreffendenFürsten-Wappen ab, z. B. bei England den Hosenbandorden, bei Dänemark den Elephantenorden, beiSavoyen den Orden der Verkündigung, bei Oesterreich das Goldene Vliefs, bei Schlesien das Rüdenband,bei Brandenburg den Schwanenorden u. s. w.
Grünenberg führt uns als Bannerträgerinnen der zwölf Turniergesellschaften die preisvertheilenden
Schutzfrauen (Patronesses) vor, welche auch zum Theil das den Siegern zugedachte Geschmeide (Turnier-dank) in der rechten Hand halten, während sie mit der Linken das Banner tragen.
Copie aus dem Münchener Pracht-Codex:
Das Helm auftragen.
Auf diesem Blatte hat Grünenberg eine Helmschau (Wappenschau) dargestellt, nämlich: die
Prüfung der Wappen aller Kampflustigen, welche ihr Erscheinen bei einem ausgeschriebenen Turnier an-gekündigt hatten. Nur diejenigen Edelleute, welche einer Turniergesellschaft angehörten, oder durchWappen und Geschlechtsregister ihre Turnierfähigkeit nachweisen konnten, erhielten Zutritt.
Grünenberg hat zur Erklärung seiner Zeichnung beigefügt:
„N (Notabene oder Item?) solicher Geftalt fchawt man dy heim vnd welcher nit genofsift, den haift man fein Klainet abtragen, domit er nit geschmächet (öffentlich abge-wiesen) werdet."
Richter waren die Turniervögte, die Herolde und ihre Persevanten (Poursuivants, Gehülfen) und
die Damen (Patronessen), welchen die Vertheilung des Turnierdanks oblag, das heifst der Ringe, Kränze,goldenen Ketten und Schwerter. Diese Damen waren meistens von fürstlichem, gräflichem oder Herren-Stande.
Die Turniergenossen wurden nach der Helmschau zunächst zur Vesper (den eprouves) am Vor-abende des eigentlichen Festes, der Meisterproben, entboten.
Die Literatur über ritterliche Kampfspiele (Tornamenta, Tournois) ist so umfangreich, dafs wirunsere Leser nicht mit wiederholten Citaten aus Rüxner's Turnierbuch oder .Sebastian Münsters Welt-chronik ermüden wollen; selbst des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern Turnierbuch, herausgegeben vonSchlichtegroll mit Steindruckbildern von Sennefelder, München 1828, dürfen wir, ebenso wie das seltengewordene Werk von Mr. de la Curne de Sainte Palaye „Das Ritterwesen des Mittelalters", übersetztvon Dr. Joh. Ludw. Klüber (Nürnberg, 1786 u. folg.) als genugsam bekannt voraussetzen; anzuführenwäre nur noch: Johann (Jehan) Froissart, Histoire et Chronique 1326—1398, herausgegeben von Keroynde Lettenhove, Brüssel, I. 2. S. 346—53.
Lief. 30,
No. CCI
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