tc» des Mittelalters waren überhaupt viel weniger blutig alsdie großen Völkerschlachten früherer Zeiten, und als die Massen-kämpfe des 19. Jahrhunderts. Nach einer uns freilich auf-fälligen Ansicht von Nitterehre kam in jenen Zeiten Gefangen-schaft viel häufiger vor als Lebcnsverlust. Einem Vasallengalt, wenn der Dicnschcrr niederlag oder das Banner fiel, alsSchmach ans offener Fcldschlacht zu fliehen; er ließ sich lieberWort und Zeichen abnehmen und begab sich in ritterliche Ge-fangenschaft, selbst wenn er seine Person leicht retten konnte.DaS Lösegeld war gemeinhin sehr bedeutend und eine Haupt-einnahme des Siegers. So z. B. hatte Henning Buggen-hagen, der in der Ukcrmärkischen Fehde bei Straßbnrg ge-fangen wurde, Zill) Mark Lösegeld gezahlt, und diese vom Her-zog Wartiölav zu fordern, und außerdem noch 39 Markfür Unterhaltung im Gefänglich.
Die Kriege der nordischen Fürsten, die wir kennen gelernthaben, lösten sich später ans in kleine Fehden mit partikulärenInteressen, weniger des Adels unter einander, als vielmehrdieses, auch im Verein mit den Fürsten gegen die immerbedeutender hervortretende Macht der zur Hanse verbündetenStädte, in der bekannten unerquicklichen Weise der Krieg-führung. Das ritterliehe Mittelalter hatte seinen Höhepunkterreicht, doch ist eS besser zu schweigen über diese Zeit, dieallmählich zur Auflösung in den großen wie in den kleinenKreisen führte. Wir haben in den gegenseitigen Schaden-berechnungen der Fürsten urkundliche Beispiele genug zur Cha-raktcresirung derselben, und leider müssen wir es eingestehen,wurden im Norden Deutschlands mehr wie in anderen Ge-genden die vielen Landfricdcnschlüsse nöthig, um der RäubereiEinhalt zu thun.
Wieder zur Familie zurückgehend, sind wir nunmehr nichtblos berechtigt, sondern auch gehalten anzunehmen, daß eine zahl-reiche jüngere Generation vorhanden war, die wir aber an ande-