Dieser Reiz ist um so größer, und steigert sich zu eineraufregenden und erhebenden Empfindung, wenn es das eigneGeschlecht ist, welches man durch Jahrhunderte hindurch in sei-nem öffentlichen Leben, wie in den geheimsten Beziehungen derFamilien und des Individuums verfolgt. Der Reiz steigertsich mit der Schwierigkeit des ErforschenS und wächst zur Be-gierde, aus jeder Quelle zu schöpfen. Der Durst nach demWissen wird nicht gestillt, und das Mühen hört nicht auf, selbstwenn man oft trauernd erfährt, daß die Quellen noch inTropfen rinnen; und ist von alle vem Mühen auch kein grö-ßerer Gewinn, so ist doch der groß genug, den Enkelnzu sagen, wer ihre Vorfahren gewesen, was sie Tüchtiges ge-leistet, und wie sie geirrt haben; als eine Lehre für alle Zeitund als eine Mahnung, den Namen in Ehren zu halten. —
Das Geschlecht der Winterfeld ist ein norddeutschesAdelsgeschlecht; sein Adel ist älter wie sein Name, so alt, wiedie Geschichte seines Heimathslandes, es tritt unbestritten schonals edel aus dem Dunkel der Vorzeit heraus.
Ueber den Werth des Adels im Allgemeinen etwas zusagen, ist hier nicht am Ort, denn jetzt sind die Meinungenüber ihn sehr verschieden; doch über seine Nothwendigkeit infrüherer Zeit wird der Geschichtskundige nicht in Zweifel sein.
Der Adel ging zunächst aus der Freiheit des Besitzes undauS persönlichem Verdienst hervor, ans Anerkennung desselbenerwuchs Ansehen, und mit diesem ging Macht und ReichthumHand in Hand, die, vom Vater auf den Sohn übergehend,aus einem rein persönlichen ein erbliches Vorrecht schufen; sowie sich auch die rein persönliche Stellung eines Grafen, cineSMarkgrafen, eines Herzogs sehr bald in eine erbliche Würdeumwandelte.
Die Freiheit des Besitzes gab nicht allein den Adel, eSwaren solche freie Besitzer zwar schöppenbar frei; hattendas Recht, als Beisitzer beim Gericht zu fungiren, aber sie