Nüchtern und wahr. Ludwigslied, 881.
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jener Zeit zusammensetzt .... Man erblickt . . . Wildheit ohne wahren
Muth, heimtückisches Auflauern ohne Ahndung der Gesetze
Trinken und Schlemmen, Rauben und Jagen sind die Heldenthaten derKleinen und Grossen, der Geistlichen und Weltlichen. Karl (derGrosse) muss verordnen: dass kein Richter betrunken zu Gerichtkommen, kein Zeuge in diesem Zustande verhört werden solle ....Und wenn ein königlicher Amtmann (bajolus, baillif) etwas versehenhatte, musste er eine Zeit lang den freien Trunk entbehren. Schondie Capitularien der Frankenkönige verbieten den Unfug: andere zumTrinken zu nötigen. Und noch die spätesten Ritterordnungen müsseneinschreiten „gegen das überflüssige Zutrinken."
Neben der Nüchternheit zählte, wie es scheint, auch die Wahr-haftigkeit nicht zu den Gewohnheitstugenden der ältesten Franken. „Siehielten ihre Eide nicht besser als die Sachsen bei den gewaltsamenBekehrungen." Ein alter Schriftsteller sagt: „Franci, quibus familiäreest ridendo fidem frangere; (bei denen es herkömmlich ist, lachend dieTreue zu brechen). „Und wer wird" — schliesst Kirchner — „denGeist der Ordnung und der Mässigkeit bei den Unterthanen suchen,wenn des Reiches höchstes Haupt bei der Krönung schwören muss:dass er mit Gottes Hülfe — aus eigenen Kräften war es unmöglichnüchtern leben wolle."
Das ist allerdings kein feines Lob für die freien Franken. Abernicht friedliche Ruhe, bürgerliche Ordnung und ehrliche Arbeit war da-mals ihr Lebenselement, sondern der frische fröhliche Kampf. Dorthinwollen wir unsere Eschborne begleiten: wie sie unter den Karolingern,mit dem Spiesse und dem Schwertbeile Francisca bewehrt, als feste undgetreue Mannen gegen Sachsen, Slaven, Longobarden und Normannenzu Felde lagen. Wir hören das Ludwigslied, nach dem Siege des frän-kischen Königs Ludwigs III bei Saucourt (881) über die Nordmänner:
Sang was gisunganWig was bigunnan.bluot skein in wangonspilodum ther FrankonThar vaht thegenogelihnihein soso Hludwigsnel, indi, kuonithaz was imo gekunni.
Sang ward gesungenKampf ward begonnen.
Das Blut schien in den WangenAufjauchzten die Franken.Da focht degengleichKeiner so wie Ludwig,
Schnell, rasch, kühn,
Das war ihm angeboren.