50 Vier Grade der Ritterwürde. Die Mühelosen.
Kaiser Friedrich III (1440—93) auf der Tiberbrücke bei 300 FürstenGrafen Herren und Edelleute zu Rittern.
Ueber die verschiedenen Grade der Würde in der allgemeinenWertschätzung sagt ein alter Spruch :
Ritter, der seyen viererley,
1. Des h. Grabes; die Würdigsten. (Sie waren die ursprünglichen).
2. St. Catharinen Perg und finsterer Stern; die Thewersten. (Ritter derh. Katharina auf dem Berge Sinai, wo deren Reliquien verwahrtwurden. Die Fahrt dahin war mit grossen Kosten verbunden.)
3. Auf der Tyberpruckhen in Krönung eines römischen Kaysers; dieBesten.
4. In Stürmen, Schlachten; die Gestrengsten (tapfersten).
Seit Kaiser Max I unterblieb die Krönung in Rom; damals tratenan die Stelle der „Besten" die „Ritter ohne Mühe," bei fürstlichen Ver-mählungen, Kaiserwahlen in Frankfurt und ähnlichen Anlässen. Vonden „mühelosen" spottete das Lied:
„Kuhfleisch in gelber Brüh,
„Ein Ritter ohne Müh:
„An diesen beiden ist verloren
„Der Saffran und die goldenen Sporen.
Nach Gunst und Gaben wurde auch ein hochverdienter Mann anverschiedenen Höfen mehrfach „Ritter."
Da gewisse Triebfedern und Wünsche der Menschen, also auchdie entsprechenden Lockmittel für ihren Ehrgeiz und Diensteifer, sichzu allen Zeiten gleichbleiben, so ist die Aehnlichkeit dieser verschiedenenErwerbsarten mit denen der heutigen Hoffest-Ordensdekorationen nichtzum Verwundern.
Im sechzehnten Jahrhunderte endlich wurde die Ritterwürde gegenhohe Taxe in Wien käuflich, wie schon seit Kaiser Karl IV (1347 -1378)der Adel überhaupt. Dadurch entwertete sie und verschwand beimalten Reichsadel völlig.
Friedliche Zeiten brachten die Ritterwürde auf den Turnieren zurGeltung, wo wir die Kronberge an hervorragender Stelle finden werden.Diese „Gallischen Spiele" wurden in Deutschland hauptsächlich unterKaiser Friedrich II entwickelt. Sie waren, ähnlich den heutigen Manövern