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Chronik der Familie Vogtherr
Entstehung
Seite
99
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SS

Dem wildfang war kein toller Streich

Zu viel und zu gewagt,

lind oft hat ltümmernitz darob

Der Eltern Herz benagt,

Indcss' sein offen, treu Gemüth

lind seines Geistes Llug

Bot in der Stund' der Sorge» stets

Des frohen Trosts genug.

An des Berufes Pforten stehtEr jetzt, nicht mehr ein Knab',Den Schwur des Glaubens legt er nochIn dieser Stunde ab,

„Sei würdig deines Vaters!" sprichtDie Mutter tief bewegt.

„Gedenke", ruft der Vater aus,„Ivclch' Mutterherz dir schlägt!"

XI.

Beim lLampenschein, in Einsamkeit,

Satz unser Gattcnpaar;

Datz wieder ein Decennium

Dahingegangen war,

Das gibt der Gattin Ivange kund,

wo jetzt die lLilie thront,

Gibt kund des Gatten Stirn, worauf

Jetzt manche Lurche wohnt.

Beschritten längst schon hat der SohnMit Muth den Schicksalspfad,Und strebt und schafft mit RührigkeitAm fernen Seegestad.

von naher Rückkehr hat ein BriefDie Meldung zwar gemacht,

Die Zeit verging und ach! sie hatDen Sohn nicht heimgebracht.

Mit jedes Tages lleigcn wuchsDer Eltern Gual und Schmerz,

Schon pochte, datz man ziehn ihn ließ,Der Vorwurf stark ans Herz;Da plötzlich stürmt's herein zur Thür'lind schluchzt und herzt und kützt,Ihr, die ihr Eltern seid, ihr fragtllicht, wer gekommen ist.

XII.

Ein Morgen, mild und herrlich, wieDer Mai ihn spendet nur,

Zog unser glücklich GattenpaarHinaus in Äu und Slur,wovon in trautem ZwiegesprächErfüllt zumal sie sind?

Bei Eltern gilt das erste undDas letzte wort dem trind.

Und wie sie so im stolzen TauschDer Lreude sich's gesteh'»,

Datz sie im braven Sohn erfülltIhr schönstes Hoffen seh'n,

Da plötzlich zeigt am Lörsterhaus,Umrauscht vom Buchenhain,Der Sohn sich und zur Seite ihmEin Mägdlein hold und fein.

„wie," ruft der Vater zürnend aus,„Geheime lLiebelei?"

Die Mutter inahnt, datz eingedenkvergang'ncn Glücks er sei.

Sie spricht: „Lür diese Jungfrau bürgtMir »reines Sohnes Wahl!"was sonst? Am Abend satzen frohSie beim vcrlobungsmahl.