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Tugend giebt, daß auch bei der reinsten der verborgene un-reine Herzensgrund gelegentlich an den Tag tritt.
Eine der wichtigsten Bemerkungen Rümelins ist die, daßShakespeare mehr scenenweise, als im Hinblick aus genauenZusammenhang des Ganzen gearbeitet habe. Sie trifft beimHamlet bis zu einem gewissen Grade zu. Da ist der altePolonius, den Shakespeare offenbar immer so gezeichnet hat,wie er ihn gerade brauchte. Wir verzichten darauf, ein einheit-liches Charakterbild dieses Mannes zu zeichneu, der von demEinen zu hoch, von dem Anderen zu niedrig gestellt wird,und bemerken nur, daß er als charakterloser Hofmann, als eitlerSchwätzer, als übervorsichtiger, wohldienerifcher Geck erscheint,dessen Hauptweisheit im Mißtrauen und in der Erregung vonMißtrauen bei Anderen besteht und daß durch seinen Tod dieWelt nicht viel verloren hat. Eigentlich boshaft ist er nicht,planmäßiges Handeln liegt ihm fern und es ist die seltsamsteSchrulle, wenn Flathe meint, Polonius und seine ganze Familietrachte nach der Königswürde, Ophelia sei Hamlets Geliebtegeworden, um einst seine Gemahlin und als solche Königin zuwerden, und sie ertränke sich, nachdem durch den Tod ihresVaters und Hamlets Treulosigkeit und Wahnsinn ihre Hoffnungzerronnen war. Welche Phantasien des Kritikers I
Die übrigen Charaktere sind leicht zu verstehen i Der ge-wissenlose, diplomatisch schlaue, um kein Mittel, das zum Zielesichren kann, verlegene König, die schwache, sinnliche Königin,Rosenkranz und Güldenstern, Hamlets Jugendfreunde, aber zu-gleich Hofleute, ihrem König blindlings ergeben, von Hamletgeneckt und gefoppt und zuletzt auf perfide Weise in einen ge-waltsamen Tod geschickt, da sie doch von dem eigentlichen Zweckihrer Sendung nach England nichts wußten und Hamlet sichdadurch hinreichend sichern konnte, daß er den ihnen übergebenenBrief des Königs vernichtete.
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