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schuldlos, als reines Mädchen hinstellein Wie bei allen Dingenso muß man auch beim Drama ans den Ansgang sehen. Ausden Reden des fünften Auszugs von der unbefleckten Hülle dersüßen Ophelia geht dies klar hervor, und Hamlets Worte vonder Tochter Jephtas erscheinen nun als bloße Neckerei gegenihren Vater. Auch darüber wird gestritten, ob Hamlet dieOphelia geliebt habe oder nicht; aber auch hier wird der Streitdurch Hamlets Ausruf bei ihrer Beerdigung entschieden, er habesie mehr geliebt, als vierzigtansend Brüder sie hätten liebenkönnen. Ziehen wir von dem starken Ausdruck noch so vielab, so bleibt es doch gewiß, daß Hamlet sie geliebt hat, wenner auch auf dem Grund der mit seiner Mutter gemachten traurigenErfahrung, wie an der weiblichen Tugend überhaupt, so auchau ihrer Reinheit gezweifelt hat. Der obeugenannte starkeAusdruck erinnert an seine Aeußerungen über sich selbst, in denener sich gerade wie seinen Oheim als einen Schurken und niedrigenSklaven bezeichnet. Die Selbstanklage bleibt stehen und hatim Sinne des Dichters recht, so viel auch von ihrer Form aufdie Rechnung der augenblicklichen Stimmung gesetzt werden mag.Die schlüpferigen Reden und leichten Verschen, welche die Wahn-sinnige hören läßt, die sich mit Todesgedanken trägt, erklärensich aus der verdorbenen Hofluft, die sie eingeathmet hat,vielleicht aber auch zugleich aus der bekannten Thatsache, daßdie geschlechtlich reinsten Menschen bei Seuchen oder im Wahnsinndie schlüpfrigsten Reden führen und gelegentlich sich den wildestenAusschweifungen hingeben. Boccaccios Dekameron beruht aufvollkommen psychologischem Grunde; mitten in der Pestzeitwerden die üppigsten Geschichten erzählt. Shakespeare oder inseinem Namen Hamlet hätte also seinem Weltschmerz auch beiOphelias Zeichnung Luft gemacht, indem er sagen wollte, daßselbst in der reinsten „Jungfrau Schamerröthen geheime Lustbegehrlich zittert" (Heine), daß es keine vollkommene weibliche
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