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Shakespeares Hamlet, Prinz von Dänemark
Entstehung
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behauptet freilich, Shakespeare habe seinen blutfrohen und nerven-starken Zuschauern in echt englischem, gransamem Geschmack, wieimKönig Lear" und sonst, sich gefällig erweisen wollen unddaher diese Züge aus der Sage unverändert herübergenommen,obgleich sie zu dem übrigen Charakter des Helden, zu seinerzartfühlenden Natur, seinem Geist und Witz nicht passen,Wirbekommen ungefähr einen Eindruck, wie wenn Jphigenie beiGoethe einmal in einem Zwischenakt als Priesterin ein paar Ge-fangene auf deni Altar der Diana zu schlachten hätte," Ich haltediese Vergleichung Rümelins für unglücklich. In der Jphigeniegeht es von der Nacht zum Licht, von der Roheit zur Gesit-tung, vom Grab zum Leben; imHamlet" vom Grab zum Grab,zur Nacht, zur Verwesung; wir können kaum freudig aufathmen;fast alles ist faul, auch die äußere Bildung; die feinen Ma-nieren in dieser Hofgeschichte sind meistens nur angetünchte Un-natur, Gemeinheit, verworfene Achselträgerei. Das sogenanntechristliche oder protestantische Zeitalter kann diesen Thatbestandnicht ändern; man darf nur an die Religionsverfolgungen, dieKetzer- und Hexenhinrichtungen, an den weißen und rothenSchrecken der französischen Revolution erinnern. Die gebildetstenNationen haben sich schon mit den abscheulichsten Unthatenbesteckt, und bei Völkern, die von der Kultur kaum beleckt sind,finden sich edle, sittlich denkende und handelnde Menschen, EinPublikum, das im Theater sich an der Darstellung von blu-tigen, grausamen Auftritten weidet, ist im stände, selbst solcheThaten zu begehen. Man kann also beide Erklärungen, daßShakespeare sich dem rohen Geschmack der Zuschauer anbequemtund daß er die Züge von Grausamkeit mit Glück in HamletsCharakter begründet habe, mit einander verbinden, Gervinuserinnert noch daran, daß das deutsche Volk, der moderne Hamlet,trotz seiner philosophischen und ästhetischen Bildung in der Zeitseines trügerischen nationalen Aufschwungs (1848/49) sich mit

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