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Handeln kann ein praktisches Genie es nicht Allen recht machen;es muß hie nnd da ein Recht verletzt werden, wenn ein hoherZweck erreicht werden soll; wer mitten im Handeln drin ist, derwird von einer That zur anderen unwiderstehlich fortgetrieben;er kann da nicht lange untersuchen, ob das, was er thut, immerin genauer Uebereinstimmung mit den Vorschriften der Sitten-lehre ist. Eben deswegen, ließe sich sagen, mag sich Hamletnicht in den Strom der Handlung stürzen, sondern geht amUfer hin und her, gedankenvoll erwägend, ob nicht der Strom,wenn er sich ihm anvertraute, ihn und mit ihm auch Andere mitfort und ins Verderben reißen könnte. Es ist ihm eine Ge-wissenssache, den Ausgang genau zu erwägen; ja er weiß, daßer ihn zu genau erwägt. Aber in der Stelle III. 1 ist dasWort eouseiönee, das A. W. Schlegel mit Gewissen übersetzt,wohl eher mit Bodenstedt durch Bewußtsein (Reflexion, Nach-denken) zu geben; es ist das auf den Selbstmord augewandtereligiöse Bedenken in Betreff der Vergeltung nach dem Tode.Shakespeare glaubte ja und läßt, wie oben bemerkt, auch denDänenprinzen an Hölle und Himmel glauben; damit der verbreche-rische König nicht im Gebet zum Himmel eingehe, schont er ihn.Der Glaube an das Jenseits hält ihn also vom Selbstmord und vonder Blutrache ab. Wie Paßt aber der Monolog : Sein oder Nicht-sein zu diesem Glauben? Wie kann Der, dem erst vor ein paarMonaten ein Gast aus der anderen Welt erschienen ist, solche Zweifelan einem Leben nach dem Tode aussprechen? Hier den Hamletauch nur in die nothdürftigste Harmonie mit sich selbst zubringen ist kaum möglich; man müßte denn annehmen, er seiein eingefleischter Zweifler gewesen, ähnlich jenem Skeptiker, derbetete: „O Gott, wenn es einen giebt, erbarme dich meinerSeele, wenn ich eine habe, und mache mich einmal ewig selig,wenn anders mit dem Tode nicht alles aus ist."
Dies führt uns zu der Frage von Hamlets Glauben an eine
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