in seiner Weise begründet, hätte erwünschtes Licht über seinenCharakter und über den Zusammenhang des Stückes verbreitet.
Bischer meint freilich, Hamlet sei ebenso verrückt wie allegenialen Menschen, die es nicht dahin bringen, daß ihnen allesso schrecklich klar sei, wie ordinären Köpfen, so verrückt, wie alletieferen Naturen, bei denen einzelne Kräfte sich zu solcher Stärkeentwickeln, daß die Harmonie gestört werde, und er wisse dasund könne es doch nicht anders machen, aber darum sei er nichttoll im Sinne der Psychiatrie und Medizin, sondern wisseunendlich mehr von sich, als so mancher Kritiker, der ihmHerzen und Nieren prüfe; in diesem Sinne gelte von ihm: erspielt den Narren, weil er einer ist. Hier ist das zweimalige„alle" anzugreifen; rein harmonische Naturen, bei denen alleKräfte gleichmäßig entwickelt sind, Verstand und Phantasie, Ge-dächtniß und Scharfsinn, sind ja sehr selten. Es giebt aber auchnärrische Leute, die bloß periodisch von Sinnen sind. So weitist es gottlob noch nicht gekommen, daß jeder geniale Menschsich wie Hamlet beträgt und handelt. Gott behüte uns vorsolcher Genialität! Dies gilt auch gegen Tieck in seinem Schrift-chen i Hamlet ein Genie. Als Genie, meint Tieck, denke er nichtan sein Recht, auch nicht an sein Recht zur Thronfolge; immerfasse er nur das Allgemeine ins Auge und vernachlässige dar-über das Individuelle. Aehnlich sage Christus als religiöserGenius: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" und wieder:„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meinernicht werth." Es giebt aber gottlob auch harmonische Genies,wie Goethe; es giebt ferner praktische Genies, geniale Staats-männer mit einem scharfen Blick fürs Einzelne wie fürs Ganze.Ein Genie im eigentlichen Sinne ist ohnedies Hamlet nicht;ihm eignet nur die springende und abspringende, zerfahrene Ge-nialität, die es zu nichts Ganzem bringt. Nicht einmal seinwahnwitzigartiger Zustand ist einheitlicher Art. Er lebt in einer
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