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weiter oder enger faßt, ein dreifacher, fünffacher, siebenfacherMörder; er selbst kommt im Rachewerk um nnd der Staatfällt an Norwegen; England wird nun in Zukunft dem ver-einigten Dänemark-Norwegen zinspflichtig werden,' Eine Ver-söhnung liegt nur darin, daß Hamlet mit feiner Mutter undLaertes versöhnt stirbt. Ich finde in dem Schlüsse die herbeLehre, daß Unentschlossenheit und Halbheit die schlimmsten Fehlereines Fürsten sind und sich am schwersten bestrafen.
Die genannte, mehr oder weniger optimistische Auffassungvon Hamlets Charakter war besonders in den 50er und noch inden 60er Jahren unseres Jahrhunderts verbreitet — und zwarwahrscheinlich, weil der Deutsche, der in dem nicht thatenlosen,aber thatlosen Hamlet sich selbst dargestellt sah, durch die ein-seitige Hervorhebung von Hamlets Vorzügen sich über sich selbsttrösten wollte. Indessen wird auch in Zukunft der sprichwörtlichgewordene Hamletcharakter seine Bedeutung beibehalten. Dersprichwörtliche Hamlet ist ein geistreicher, philosophisch gebildeterMann, der aber vor lauter Grübeln, Ueberlegen, Zweifeln undZaudern nicht zum Handeln kommt, unpraktisch ist und bleibt,seine Aufgabe nicht löst, seiner Stellung nicht gewachsen ist.Von seinem Zweifeln sind auch häufig seine Erklärer angesteckt.Da soll der Uebergang vom Denken zur That irrational sein,in eine unendliche Linie führen; eine andere, blind wirkende undvorwärtstreibende Kraft muß da eintreten; an dieser zweiten Kraftfehlt es dem Hamlet — allerdings, wie nun einmal sein Denkenbeschaffen ist; es giebt aber auch ein anderes Denken, das nichtewig in sich selber kreist, sondern von selbst zur That drängt;der abstrakteste unter den deutschen Denkern, der PhilosophFichte, besaß dieses Denken, es trieb ihn zur That, seine Redenan die deutsche Nation waren eine That und die Vorläuferanderer entsprechender Handlungen, Daß Hamlet dieses seineigenthümliches Denken hegt und pflegt, an seinem Zweifeln eine
Sammlung. N, F, V, 117 , 3 ( 788)