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aufführen läßt, nicht um sich von der Wahrheit oder Unwahr-heit der Aussage des Geistes zu überzeugen, sondern um denKönig, wenn dieser, wie vorauszusehen war, bei der Aufführungdes Stücks sein böses Gewissen verrathen hätte, vor dem ver-sammelten Volk zur Rede zu stellen und auf irgend eine Weiseden doppelten Verbrecher zu strafen. Hier haben wir denWendepunkt des Dramas, hier war es noch möglich, dem Stückeinen glücklichen Ausgang zugeben; aber Hamlet ist schon langedem verzehrenden aushöhlenden Zweifel verfallen, und es gehljetzt immer mehr mit ihm abwärts; denn er hat den günstigenAugenblick nicht benutzt, die Gelegenheit nicht beim Schöpfeerfaßt.
Die Entschuldigung des zweifelnden und zaudernden Prinzenkommt zum Theil auf die Rechnung des 19. Jahrhunderts, dasselbst vom Zweifel und von der Reflexion durchdrungen unddadurch im Handeln gelähnit ist, andererseits aber diesen Mangeldurch so manche Vorzüge vergessen läßt. Genau betrachtet istfreilich schon bei Shakespeare Hamlets Charakter zweiseitig undzweideutig. Gerade darin liegt das Dämonische des Stücks,daß Shakespeare der trägen, unentschlossenen Natur des Prinzendie reizende Folie eines feinfühlenden und spekulativen Idealistenuntergelegt hat. Er hat den dänischen Prinzen mit so vielenliebenswürdigen Zügen ausgestattet, ihn als geistreich, witzig,gelehrt, empfindsam, pietätsvoll gegen seine Mutter geschildert,daß der Erklärer versucht wird, die skandinavische Urzeit, in derein solcher Charakter gar nicht möglich war, zu vergessen, Hamletüberwiegend als Sohn der neueren Zeit, der er selbst angehört,zu fassen und ihn möglichst zu entschuldigen. Hamlet erwecktunser Mitleid und gewinnt unsere Sympathie; er ist durch eineLaune des Geschicks in einer rohen, zugleich barbarischen undverderbten Zeit aufgewachsen; es ist ihm eine zu schwere Lastauferlegt, wobei übersehen wird, daß diese Last nicht gerade in
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