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Weisheit. Shakespeare hat aber die Mischung so vortrefflichabgewogen, daß wir, gegen Hamlets eigene Parteilichkeit widersich selbst, der Weisheit zum mindesten die Hälfte zuschreibenwerden. Dem Hamlet raubt ein Ueberschuß an Gewissenhaftig-keit, Sanftmuth, trauerndem Gram seine Thatkraft." Da hättenwir also einen Zusammenstoß von Pflichten, und wenn dasspätere, gebildete und humane Zeitalter offenbar höher steht alsdie Natursitte des Heroenzeitalters, so muß das Naturgesetz derRache mit seiner bloß relativen Berechtigung zurücktreten vordem höheren Gesetz der „Weisheit, Tugend und Sanftmuth".Damit nimmt Gervinus den Tadel gegen Hamlet wieder zurück.Folgerichtig müßte Gervinus weiter sagen, Hamlet zeige inseinem Zaudern drei Viertel Weisheit und höchstens ein ViertelFeigheit. Wer wollte eine Antigone tadeln, wenn sie dem sitt-lichen Gesetz der Geschwisterliebe folgt und nicht dem rachsüch-tigen Befehl Kreons? Aber auch bei Bischer fließen trotz allesProtestes der dänische und der englische, der heroische und derreflektirende Hamlet so ineinander, daß der erste von demzweiten bedeutend beeinträchtigt wird. Bischer hält zwar an derRachepflicht Hamlets, die er natürlich als Blutrache faßt, fest;daß aber Hamlet die That hinausschiebt, daß er sie genau unter-suchen und der Sache aus den Grund kommen will, daß ernamentlich zweifelt, ob der Geist nicht ein verkappter Teufel ge-wesen, dies wird von Bischer entschuldigt. Nach ihm darfHamlet zaudern, seinem Zaudern liegt, zum Theil wenigstens,ein idealer Begriff von Wahrheit und Gerechtigkeit zu Grunde.„Hamlet zweifelt an dem, was unmittelbar vorliegt, und dieTeufelsvorstellung ist nur das Gewand der Zeitbegriffe, in dieer sich kleidet; Zweifel d. h. Zweifel, ob genügender Beweisvorhanden sei. Neigung zum Zweifel überhaupt liegt so gewiß imHintergrunde, als sie von Hamlets Natur unzertrennlich ist, imVordergrund aber liegt dieser bestimmte Zweifel und dieser ist
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