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vollends ins Vertrauen zieht, warum wird der von Hamlet so be-geistert gepriesene, besonnene und überlegende Horatio nicht derBerather des unpraktisch-excentrischen Dänenprinzen? Warumsagt er ihm nicht, daß, nachdem durch den Erfolg des Schau-spiels der Sachverhalt sich klar herausgestellt hat, das Bestewäre, den Hof zu verlassen, ein Heer zu sammeln, den Königzu bekriegen und ihm die Krone vom Haupte zu reißen? Hamletkönnte dann immerhin handeln oder nicht handeln; das Dramakönnte seinen Gang weiter gehen und schließen, wie es jetztschließt; aber Shakespeare hätte durch einen einzigen Dialog mitHoratio den Erklärern viele Mühe erspart und grobe Mißver-ständnisse zum voraus abgeschnitten. Wir wüßten dann: Hamlethat sich mit Recht, aber er hat sich nicht so gerächt, wie er sichhätte rächen sollen, Schweigen ist nicht bloß der Rest, sondernbeherrscht das ganze Stück,
Die Rache als Blutrache aufgefaßt lenkt auch Erklärer, dievon aller religiösen Befangenheit fern sind, aus der rechtenBahn, So tadelt Gervinus mit beredten Worten Hamlets Un-entschlossenheit und Aengstlichkeit, die ihn hindern, den Auftragseines Vaters zu erfüllen. Auf einmal aber spricht er auseinem ganz anderen Ton, so daß der Ankläger die Rolle desVertheidigers übernimmt! „In der Aufgabe, die Hamlet auf-erlegt ist, theilt ihn ein innerer Zwiespalt in sich selbst, der Streiteines höheren Gesetzes mit dem Naturgesetz der Rache, derfeineren, sittlichen Gefühle mit dem Instinkt des Bluts. SeinenZweifel an der Sicherheit der Thatsache und an der Recht-mäßigkeit der Rache, die Sanftheit seiner Seele, die sich unbe-wußt gegen die Mittel der Rache sträubt, den Hang seinesGeistes, die Natur und Folgen seiner That zu überdenken unddadurch seine handelnden Kräfte zu lähmen; alle diese Skrupelzu genauer Erwägung des Ausgangs nennt er selbst im Eiferdes Selbsttadels zu drei Viertheilen Feigheit und zu einem Viertel
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