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Shakespeares Hamlet, Prinz von Dänemark
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schuldigt ihn der Kraftlosigkeit und Feigheit: der christliche Sinn,mehr Gefühl als klares Bewußtsein, hält ihn unwillkürlichzurück," Darnach wäre es Hamlets Verdienst, die Rache zuunterlassen, nicht zu handeln. Dies heißt aber, wie Bischermit Recht bemerkt, die Tragödie umkehren, an ihrer Voraus-setzung rütteln, Ist denn der Geist nicht orthodox christlich?Ist es denn nicht dieser christliche Vater, der dem Hamlet zu-ruft: räche mich? Hamlets Zaudern ist allerdings eine Folgedes Grübelns, Erwägens, Reflektirens. Wo aber im ganzenStück zweifelt Hamlet an der Rechtmäßigkeit der ihm auferlegtenRache? Zu schwer nimmt er die Sache, wie er sich selbst vor-hält, und am glücklichen Ausgang des Unternehmens zweifelt er,aber für unsittlich, nnchristlich hält er sie nicht. Er meint, derGeist könnte ein Teufel und die Nachricht von der Ermordungseines Vaters eine höllische Lüge gewesen sein; sobald er sichaber durch die Aufführung des Schauspiels völlig klar gewordenist, beschäftigt er sich wieder mit dem Racheplan, Diese christ-lich-gesinnten Erklärer scheinen mir die Begriffe Strafe undRache sich nicht klar gemacht zu haben. Schon im Sprach-gebrauch bedeutet svergl, Grimms Wörterbuch unter Rache) Rachenicht selten Vergeltung eines Unrechtes durch Menschen untergöttlicher Billigung und Hülfe, so namentlich im Alten Testa-mente; auch noch die neuere Sprache redet von der Rache derGesetze, von gerechter Rache, wofür zwei Stellen aus Schillers mehr-fach an Hamlet erinnerndemWilhelm Tell" angeführt werdensll, 2; V, 1), Sollte denn das die Lehre des Christenthumssein, mau solle die Bestrafung eines empörenden Verbrechens derEntwickelung der Zeitumstände und dem Eingreifen der göttlichenVorsehung überlassen? Verdiente Macbeths Verbrechen nichtgerächt, gestraft zu werden? Ja, wenn Hamlet wirklich mit derRache Ernst gemacht hätte, so hätte es wie imMacbeth" zumBürgerkrieg kommen können, und der Ausgang wäre ohne Zweifel

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