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Shakespeares Hamlet, Prinz von Dänemark
Entstehung
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gefunden. Also Humor, Ironie und Tollheit ist nicht alles? esliegt noch ein Räthsel dahinter. Man sieht, wie der Geschichts-schreiber, der übrigens über die Tragödie keinen Tadel aus-spricht, sie vielmehr alsvollendetes Meisterwerk" betrachtet, sichüber den wesentlichen Inhalt dieses Meisterwerkes nicht klar ge-worden ist. Uebrigens möchte ich fragen, ob es ein Lob fürein Geisteswerk ist, wenn es so ganz verschieden ausgelegt wirdwie Hamlet.

Wir stellen nun den Satz auf: Hamlet ist ein zeitgenös-sisches Tendenzstück, aber es ist zugleich mehr als dies; eine voll-kommene Einheit ist nicht vorhanden, aber die relative verleugnetsich nicht. Besonders durch Hamlets Monologe hat der Dichteruns einen Ariadnefaden in die Hand gegeben, an dem wir unsdurch das Labyrinth seiner Dichtung sicher hindurchfinden.

Betrachten wir, um uns zum Einzelnen zu wenden, die Er-scheinung des Geistes in ihrer grundlegenden Bedeutung. Dahat 1879 Chr. Semler in einem Schriftchen über Hamlet her-ausgebracht, der Geist sei ein armer Kauz, der lange jammereund gar vieles rede, schließlich aber über dem Gerede und dengrotesken Bildern aus dem Jenseits das Diesseits vergesse, näm-lich den Ehrgeiz des Prinzen zu entzünden und ihm seine An-wartschaft auf den Thron vor Augen zu halten. Was nun dieBilder aus dem Jenseits betrifft, so dienen sie natürlich nichtzur Charakteristik des verstorbenen Königs; Shakespeare selbstspricht im Sinne des katholischen Glaubens, der, obgleich dieReformation eingeführt war, immer noch nachwirkte. Aber Bischerhat ganz Recht, wenn er sagt: Diese namenlosen Qualen soll ei»Mann leiden, der an Würde, an Helden-, Regenten- und Menschen-tugenden einzig im Leben dastand; warum? weil er nach Tisch,im Verdauungszustand, ohne Beichte und Absolution gestorbenist. Es reichte ganz hin, des Geistes Sehnsucht nach Erlösungnur darin zu setzen, daß er nicht ruhen darf, sondern umgehen

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