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Shakespeares Hamlet, Prinz von Dänemark
Entstehung
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Hamlet, Man muß sich ein Herz fassen und sagen- der Fehlerliegt am Drama. Hätte Shakespeare die Lage einheitlich ge-zeichnet, die Begebenheiten wohl motivirt und die Charakteremit festen Linien umrissen, so wäre die Menge verschiedener Er-klärungen gar nicht möglich. Die vielen Lücken, die Mangel,haften Motivirungen, die schwankenden Gestalten und Zeitver-stöße des Stückes erklären sich leicht, wenn wir das Ganze alsTendenzstück nehmen, als Klage über die Noth und den Verfallder Zeit und eine Warnungstafel für Jakob 1. Als Tendenz-dramatiker durfte Shakespeare nicht alles Heranssagen, schonweil die Hauptperson, die er im Sinne hatte, noch lebte; ermußte die Absichten und Pläne der handelnden Personen ver-schleiern, den Tadel durch idealisirendes Lob mildern, Gegenwartund Vergangenheit durcheinander mischen, das skandinavischeZeitalter als Grundlage stehen lassen, aber doch auf dieserGrundlage einen Bau aufführen, der seinen Zeitgenossen bekannterschien, dem Publikum Räthsel aufgeben dies alles freilichauf Kosten der streng geschlossenen Einheit und Deutlichkeit desStückes.

Man kann hier freilich zu weit gehen, wie dies Rümelin be-gegnet ist. Als Hauptzweck und Hauptinhalt des Stückes faßter, den tiefen Sinn und die verborgene Weisheit in die Formscheinbar irrsinniger Reden und Handlungen zu legen; der Dichterwollte sein Licht leuchten, seinen Geist und Witz in neuenFormen spielen lassen; er wollte außerdem die hinter irrsinnigenReden versteckte Weisheit der eigenen Lebenserfahrung entnehmen,dem Publikum in fremder und ungeahnter Gestalt eigene Stim-mungen und Gedanken vorführen, seiner pessimistischen Welt-und Zeitanschauung einen beredten Ausdruck geben. Er benutztenun die Hamletsage als Gefäß, in das er seine Stimmung undWeltanschauung, seinen Aerger und Verdruß, seine Grillen undLaunen hineinlegte; aber der dänische Hamlet, der nordische Held

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